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„Der Sexualtrieb nimmt gegenüber allen anderen Trieben insofern eine besondere Stellung ein, als ihm ganz unverhältnismäßig starke Hemmungen gegenüberstehen.“
Dieser Satz gilt nach Bleuler sowohl für Menschen, als auch für Tiere, bei denen „oft dem sexuellen Akt Spiele vorausgehen, die manchmal ziemlich kompliziert sind und in denen von einem Partner, meist dem Weibchen, ernst gemeinter oder fingierter Widerstand geleistet wird“. Und auch für den Menschen sind „der Widerstand auf der einen und die Überwindung desselben auf der anderen Seite integrierende Bestandteile des Sexualtriebes und der Sexualbetätigung selbst; von der Seite des Männchens aus gesehen, ist der Widerstand zur Sexualreizung nötig oder ihr doch förderlich“.
In so generalisierter Form kann diese Behauptung denn doch Hiebt gut geheißen werden; sie trifft ja nur für jene Fälle zu, bei denen der männliche Teil so weit über das normale Maß sadistisch veranlagt ist, daß er das Weib in einem Haufakte besiegen will.
Wenn aber der Mann nicht auf Überwältigung des Weibes Wert legt, sondern vielmehr auf eiu Verständnis- und liebevolles Siehhingeben, oder wenu er im extremen Gegensätze zu dem Sadisten am Ende gar selbst erobert werden will, dann wird der Widerstand des Weibes sicher nicht auf die Sexualreizung des Mannes „förderlich“ einwirken; es kann unter Umständen sogar eine psychische Impotenz die Folge sein. Aber auch aus jenen Fällen, für die des Autors Behauptung zutrifft, kann man bezüglich des psychischen Phänomeues des Sexual Widerstandes keine tieferreichenden Schlüsse ziehen, denn sie, das Weib, hat den Widerstand, und er, der Mann, wird dadurch gereizt, fails er nämlich dazu disponiert ist, ebenso wie er eventuell auch beim Anblicke von blauen Augen sexuell erregt werden könnte. Der Verfasser will vorläufig auch wirklich nur die Tatsache dieser Beziehung konstatieren, ohno daraus weitere Konsequenzen für die Entstehung des Sexualwiderstandes zu ziehen.
Das geschieht aber dann doch an einer späteren