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Der Titel dieser neuesten Arbeit Jungs und die Vorrede der Buchausgabe erregen in dem Leser die Erwartung, eine Darstellung der Theorien Freuds und seiner Schule zu finden. Der Autor will — wie er uns sagt — zu den bisherigen Anschauungen auf Grund seiner eigenen Erfahrungen Stellung nehmen, will durch eine „bescheidene und maßvolle Kritik“ die psychoanalytische Bewegung fördern und den Formulierungen Freuds seine eigenen gegenüberstellen, soweit sie ihm den beobachteten Tatsachen besser goreebt zu werden scheinen.
Würde die Schrift inhaltlich diesem Programm entsprechen, so wäre sie als eine Bereicherung unserer Literatur zu begrüßen. Eine kurze und klare Einführung in das Studiengebiet der Psychoanalyse wäre uns erwünscht; nicht minder aber sind wir dankbar für jede sachliche Kritik. Daß es geteilte Meinungen in der psychoanalytischen Schule gibt, brauchen wir nicht zu verhehlen; haben doch die „Diskussionen des Wiener psychoanalytischen Vereins“ den Streit der Meinungen in unserem Lager dem Purum der Öffentlichkeit unterbreitet.
Allein die Dinge liegen anders. Der Kritiker kann sich in diesem Falle nicht damit begnügen, des Autors Ansichten wiederzugeben und zu beurteilen; es erwächst ihm außerdem die ungewohnte und nicht oben erfreuliche Aufgabe, nachzuweisen, daß Jung den Lehren Freuds eine in tatsächlicher Hinsicht gänzlich unrichtige Darstellung zu teil worden läßt.
Bevor ich mich dem Detail dieser beiden Aufgaben zuwende, muß ich einige allgemeine Eigenschaften der Jungschen Arbeit hervorheben, die mit den Vorzügen seiner früheren Schriften aulfällig kontrastieren. Wie schon die „Wandlungen und Symbole der Libido“, enthüll sie eine ganze Anzahl innerer Widersprüche, so daß der Leser über das gleiche Thema an zwei Stellen in entgegengesetzter Weise unterrichtet wird. Mancherorts ist die Darstellung so unklar, daß man dem Gedankengange kaum zu folgen vermag. Bestimmte Lehrsätze werden vom Autor lediglich dekretiert, ohne daß ein hinreichender Beweis hinzugefügt w