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Der Verfasser dieser auf gründliche Quellenkenntnis gestützten Untersuchung verteidigt sich gegen den Vorwurf, daß die Bedeutung einer Persönlichkeit durch den Vorsuch, ihre ins Dunkel hinabreichenden Wurzeln aufzufinden, entwertet und ihrer Sonderart beraubt werde. Seine Arbeit liefert den besten Gegenbeweis; man kann die Seelenstärke und die im Tiefsten gesunde Natur Luthers erst richtig einschätzen, wenn man einen Blick in den Abgrund getan hat, an dessen Rand sein von Kindheit an überreiztes Gemüt stand. Erst wer instand gesetzt wurde, aus den Teufelsvisionen und Angstanfällen, den Ekstasen und Bußübnngen des Mönches, die auch den späteren Reformator nicht ganz verließen, auf die gefährlichen Mächte zu schließen, die in seinem unbewußten Seelenleben lauerten, wird es nach Gebühr bewundern können, daß er den Weg ins Leben zurück gefunden hat. Nicht innerlich verzehrt purch seine Kämpfe, ist Luther aus diesem Fegefeuer in die Welt zurückgetreten, sondern stark genug, um seinen Leidensgenossen den Weg zu weisen und — was für seine Persönlichkeit noch besser Zeugnis ablegt — mit ungebrochener Sinnenfreude und einer nicht auf Abwege geratenen Geschlechtlichkeit. In diesem Punkte unterscheidet sich auch seine ethische Anschauung vorteilhaft nicht bloß von der von ihm befehdeten der römischen Kirche, sondern auch von jener seiner eigenen Amtsnachfolger.
Gewiß war es eine Vorbedingung seiner inneren Befreiung, daß er einen Feind in der Außenwelt zu linden im stande war, an dem er jene Augriffs und Haßimpnlse, die er bisher gegen sich selbst verbraucht hatte, loslassen konnte. So erklärt sich die fast zügellose Wildheit, mit der er über seine Gegner herfuhr, vor allem aber die unglaubliche Fülle der gemeinsten Schimpf- und Schmähworte, die er oft anzuwenden liebte. Smith gibt zur Erklärung dieser, des großen Mannes kaum würdigen Eigenschaft den feinen Wink, daß Luther auf dieselbe Weise gegen den Teufel, der fast allnächtlich an sein Lager kam, verfuhr und solche Worte al