You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Eine Rundfrage, die der Verfasser bei den Dichtern angestellt hat, lieferte ihm das Material und er hat es nicht versäumt, auch die Träume der großen Toten (Flaubert, Ibsen, Hebbel, Maupassant, Heine, Keller, Grillparzer, Goethe usw.) heranzuziehen. Die Träume verraten uns das Geheimste im Menschen und so war anzunehmen, daß die Träume der Dichter durch das Mikroskop der Psychoanalyse gesehen, uns Auskunft über alles geben, was das künstlerische Schaffen an verborgenen Triebkräften birgt und verbirgt.
Fragen wir, wie der Autor seiner Aufgabe gerecht geworden ist, so müssen wir sagen, daß uns seine Methode und Ergebnisse bedenklich erscheinen. Schon der Titel, der eine vergleichende Untersuchung der unbewußten Triebkräfte bei Dichtern, Neurotikern und Verbrechern verheißt, reizt auf den ersten Rlick durch diese seltsame Zusammenstellung zum Widerspruch. Daß der Dichter in dem psychischen Mechanismus seines Schaffens dem Neurotiker, der durch die Energie seines Unbewußten sich eine eigene Welt „in seinem Busen“ baut, nahesteht, hat Freud nns gezeigt. Inwiefern der Scelenznstand des Dichters dem des Verbrechers ähnlich ist, müßte erst untersucht und nachgewiesen werden.
In Stekels Buch finden wir nur, daß der Verfasser den „kriminellen“ Regungen in der Psycho des Dichters einen ungewöhnlich großen Raum zuweist. Es ist nicht von vornherein einzusehen, warum das seelische Erleben der Künstler stärkere kriminelle Regungen aufweisen sollte, als das anderer Menschen. Die Grundlagen des Traumes bleiben ja bei allen Monschen dieselben und nur die psychische Verarbeitung weist verschiedene Formen auf. Vor allem fragt man sich also, oh der Verfasser nicht ein Vorurteil von der starken Kriminalität der Künstler gehabt habe und dadurch schon in der Fragesteslung beeinflußt worden ist. Doch schon der Ausdruck „kriminell“ scheint eine gefährliche Vieldeutigkeit in sich zu schließen und Dr. Stekel muß das wohl bemerkt haben, denn er sagt in einer Fußnote: „Wenn ich hier immer wieder v