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Dem Sadisten gegenüber empfindet ein normaler Beobachter Verwunderung oder Entsetzen, er ist jedoch immerhin in der Lage, das Verständnis für derartiges Empfinden aufzubringen. Wer aber den lächerlichen, abstrusen oder verächtlichen Phänomenen begegnet, an denen ein extremer Masochist sich ergötzt, muß diese Perversität als etwas absolut Fremdes und Unbegreifliches empfinden. Dabei erscheinen ihm die Dinge halb komisch, halb ekelhaft. Bei tieferem Eindringen in den Gegenstand wird er aber auf grauenhafte Erscheinungen stossen und ein Ausmaß von Seelenqual und innerer Zerrissenheit finden, das tragisch erscheint. Diese tragikomische Mischung von infantiler Naivität mit selbstzerstörender Grausamkeit hat schon viele Forscher angelockt. Die von ihnen gefundenen ursächlichen Momente sind aber einander widersprechend und zusammenhanglos. Es erscheint der Masochismus noch immer als ein unklares, paradoxes Phänomen. In meinen Beiträgen suche ich keine neuen Ätiologien, vielmehr versuche ich die Struktur des Masochismus stufenweise bloßzulegen und will zeigen, wie die zum Masochismus gehörenden Mechanismen ineinander greifen. Dabei wird sich ergeben, daß einander widersprechende Ursachen sich in ihren Wirkungen ineinander fügen und einander verstärken, weil sie verschiedene Angriffssteellen haben. Das Paradoxe des Masochismus wird durch das bloßgelegte Gegenspiel der Mechanismen seine Klärung finden.
Die Bezeichnungen Masochismus und Sadismus verdanken ihren Ursprung nicht der organischen Sprachentwicklung und haben daher keinen wissenschaftlichen Wortsinn. v. Krafft-Ebing gab zwei gegensätzlichen Gruppen von Erscheinungen diese Eigennamen, und es bleibt jetzt der Willkür des einzelnen überlassen, wie verschiedene Erscheinungen er mit der Etikette dieser Eigennamen versehen will. Dadurch wird das Verständnis noch erschwert. Das Wort „Algolagnie“ ist für die Verständigung ein Fortschritt gewesen, weil es eine bestimmte Gruppe von Vorkomm