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Was wir über die Homosexualität von der Psychoanalyse gelernt haben, ist in wenigen Sätzen zusammenzufassen. Der erste und bedeutendste Schritt zur tieferen Erkenntnis dieser Triebrichtung war die Annahme von Fließ und Freud,1) daß eigentlich jeder Mensch in seiner Kindheit ein psychisch-bisexuelles Stadium durchmacht.2) Die „homosexuelle Komponente“ fällt später der Verdrängung zum Opfer; nur ein kleinerer Teil dieser Komponente wird auch in das Kulturleben des Erwachsenen in sublimierter Form hinübergerettet und spielt in der sozialen Hilfsbereitschaft, in Freundschaftsbünden, im Vereinsleben usw. eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die ungenügend verdrängte Homosexualität kann später unter Umständen wieder manifest werden, sich in neurotischen Symptomen äußern so besonders bei der Paranoia, von der neuere Untersuchungen feststellen konnten, daß sie eigentlich als eine entstellte Manifestation der Neigung zum eigenen Geschlecht aufzufassen ist.3)
Einen neueren Gesichtspunkt, der uns das Verständnis der Homosexualität erleichtert, verdanken wir Sadger und Freud. Sadger entdeckte bei der Psychoanalyse mehrerer männlicher Homosexueller, daß sich bei ihnen in der ersten Kindheit intensive heterosexuelle Neigungen äußerten; ja daß ihr „Ödipuskomplex“ (Liebe zur Mutter, Haßeinstellung dem Vater gegenüber) besonders intensiv zum Ausdruck kam. Er meinte, daß bei ihnen die später sich entwickelnde Homosexualität