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Wer Gelegenheit hatte, die Psychogenese der lokomotorischen Angst mit Hilfe der Freudschen Methodik zu untersuchen, dem sind gewisse, in der Entstehung des Leidens wirksame Faktoren von Fall zu Fall wieder begegnet, so daß er in ihnen etwas Typisches erblicken mußte. Es ist ihm geläufig, daß bei den Neurotikern, welche der beständigen Begleitung bestimmter Personen bedürfen, die inzestuöse Fixierung der Libido besonders aufdringlich hervortritt. Er ist damit vertraut, daß jeder Versuch, sich vom Liebesobjekt räumlich zu trennen, dem Unbewußten dieser Kranken einen Versuch zur Ablösung der Libido bedeutet. Nicht minder ist es dem Psychoanalytiker bekannt, daß diese Kranken unter ihrer Angst einerseits leiden, anderseits aber mit Hilfe der Angst ihre Umgebung beherrschen. Weitere typische Determinierungen der „Topophobien“ sind die Angst vor dem Leben — das symbolisch durch die Straße dargestellt wird — und insbesondere die Angst vor den Versuchungen, die dem Patienten entgegentreten, sobald er das schützende Obdach des elterlichen Hauses verläßt. Ich nenne auch noch die Angst vor dem Tode, der den Patienten fern von seinen Lieben überraschen könnte.
Die Kenntnis aller dieser Determinierungen — und es wären ihnen noch manche andere hinzuzufügen — rückt die Straßenangst unserem Verständnis näher, bringt uns aber keine vollständige Lösung des Problems. Die Frage, warum bei einer nicht eben kleinen Gruppe von Neurotikem gerade die Fortbewegung durch Angst erschwert werde, bleibt ungeklärt.
Die Fixierung der Libido des Kranken an bestimmte Personen seiner nächsten Umgebung hat für sich allein nicht diese determinierende Kraft. Sonst müßten wir erwarten, daß eine sehr viel größere Zahl von Neurotischen, als tatsächlich der Fall, an Straßenangst litte. Die sonstigen, oben erwähnten psychosexuellen Faktoren wirken bei der Entstehung anderer neurotischer Erkrankungen ebenfalls mit, ohne daß es zur Produktion lokomotorischer Angst kommt.