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Ich will einen Traum eines Zwangsneurotikers erzählen, in welchem Totemmaterial verwendet wurde, insofern die heutzutage bei sehr wenigen Juden ausgeübte Kaporeszeremonie als zur psychoanalytischen Auffassung des Totemismus gehörig betrachtet werden kann. Zuerst werde ich den Patienten ganz kurz vorstellen: ein vierundzwanzigjähriger Student der Philosophie und jüdischen Theologie, der in einer sehr frommen jüdischen Familie als einziger Sohn und Bruder zweier jüngerer Schwestern aufgewachsen ist. Vor etwa einem Jahre begann ich mit ihm die Psychoanalyse, weil er von einer großen Menge von Zwangsvorstellungen geplagt wurde.
Merkwürdig ist die Art, in welcher er sich gegen die Zwangsvorstellungen zu verteidigen suchte: er dachte sich die einzelnen Objekte, die in seiner Phantasie zwanghaft auftauchten, mit einem Rindsfell bedeckt und so konnte er sie unschädlich machen, d. h. weniger peinlich. Auch sich selbst umhüllte er in seiner Phantasie mit einem Rindsfell, und wenn eines nicht genügte, sogar mit zweien und kam sich so nicht mehr als Mensch vor, sondern in ein Ding umgewandelt: in diesem Zustande waren ihm die Zwangsvorstellungen erträglicher.
Außerdem entstand in ihm allmählich große Todesangst. Zuerst fürchtete er sich vor einem Schlaganfalle, und, nachdem er vor zwei oder drei Jahren in der Zeitung gelesen hatte, daß es bei einer spanischen Prinzessin nach einer Geburt zu einer Embolie gekommen war, ersetzte er die Angst vor einem Schlaganfall durch die Angst vor einer Embolie. Er fürchtete fortwährend, etwa durch einen Stoß oder durch eine Anstrengung, ohne es zu bemerken, sich eine Gefäßwand zu verletzen, so daß Gelegenheit zur