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Theodor Herzl, der Begründer der modernen zionistischen Bewegung, erzählt in seiner Selbstbiographie1) folgendes: Als er sein Buch über den „Judenstaat“ beendet hatte, bat er einen seiner ältesten Freunde, das Manuskript zu lesen. Während dieser es las, begann er plötzlich zu weinen und gab dafür die Erklärung, er sei so ergriffen, weil Dr. Herzl irrsinnig geworden wäre. Herzl war entschlossen, seinen Plan aufzugehen, da er einen solchen Eindruck auf einen gebildeten und treuen Freund machte. Er hatte damals eine sehr ernste Krisis durchzumachen, bis er zu seinem alten Plane zurückkehrte. Ein kleiner Vorfall, den er in einer der psychoanalytischen Auffassung nahestehenden Weise symptomatisch deutete, stärkte später sein Selbstvertrauen: „Mein Freund, von dem ich eben gesprochen habe, hatte meine Ausgaben für Telegramme zusammenzuzählen. Als er mir die Rechnung gab, die aus einer sehr großen Reihe von Posten bestand, sah ich auf den ersten Blick, daß er ungenau zusammengezählt hatte. Ich richtete seine Aufmerksamkeit darauf und er zählte noch einmal zusammen. Aber erst beim dritten oder vierten Male stimmten seine Summen mit den meinigen. Dieser kleine Vorfall gab mir mein Selbstvertrauen zurück. Ich war doch imstande, genauer zusammenzuzählen als er: meine Vernunft mußte mich also nicht gänzlich verlassen haben.“ Psychoanalytisch werden wir aus diesem Verzählen entnehmen müssen, daß Herzls Freund noch immer an dem Glauben festhielt, daß das Unternehmen ein phantastisches sei, und deshalb nur mit unterdrücktem Widerwillen bei der Sache war. Herzl selbst aber glaubte mit ganzer Seele an den Zionismus; deshalb entfaltete er mehr Aufmerksamkeit.2)