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Der Autor wirft in dieser kurzen Mitteilung die Frage auf, warum Tagträume hauptsächlich in akustischen, nächtliche Träume dagegen vorwiegend in optischen Halluzinationen sich manifestieren und sucht sie wie folgt zu beantworten: Man kann sich Träumereien nur hingeben, wenn für die Sicherheit der Lebenserhaltung genügend gesorgt ist Nun ist es das Gesichtsorgan, das bei Tag auf nabende Gefahren Obacht geben muß; das Hörorgan kann sich inzwischen in Phantasien ergehen, die berufen sind, uns über die unbefriedigende Realität hinwegzutäuschen. Bei Nacht dagegen (und im Finstern) übernimmt das Hörorgan die Rolle des Wächters (man erwacht bekanntlich auf akustische Reize), während das Sehorgan der Schauplatz wunschbefriedigender Halluzinationen wird.
Weber steht auf dem Standpunkte, das die Träume, indem sie unsere Wünsche erfüllen und uns über Hindernisse hinwegtäuschen, im stande sind, die durch die Tagessorgen gequälte und verletzte Seele zu beruhigen. (Dieser Standpunkt entspricht übrigens wörtlich dem Freud'schen, den der Autor zu zitieren vergaß.) Diesen Zweck erreicht der Traum mittels halluzinatorischer Wiederbelebung angenehmer Sinneseindrücke. (Nach Freuds Terminologie: Regression auf lustbetonte Erinnerungen der Vergangenheit.)
Weber meint nun, daß man im Leben weit mehr Angenehmes optisch, als akustisch erlebt, so daß der optische Erinnerungsschatz viel geeigneter ist, die unlustvolle Wirklichkeit zu beschönigen, als der akustische. Von den optisch-angenehmen Eindrücken hebt Weber (andeutungsweise) die erotischen Gesichtseindrücke hervor, von den akustisch unangenehmen die in der Schule erfahrenen Mahnungen und Tadel.
S. Feranczi.