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Eine erfahrungswissenschaftlich-systematische Darstellung der Psychoanalyse, zur Propaganda und Einführung unter Psychologen, Pädagogen und Theologen bestimmt, muß als bochbedeutsame Erscheinung angesehen werden. Das 400 Seiten dicke Werk bemüht sich nicht nur alle kritischen Gegner aufzuzählen, sondern auch ihnen gerecht zu werden und sucht den Anschluß an die Schulpsychologie sowie an die Termini der Philosophie. Außerdem aber sucht es, durch zahlreiche, gut gewählte Krankengeschichten. Beweise für alle Annahmen zu erbringen. Der Reichtum an Beobachtungen aller Art, vom Unartigen bis zum Schwerkranken, vom Kind bis zum Klimakterischen, ist imposant und beweist die große Erfahrung des Verfassers. Nur dieser großen Erfahrung mag man die meist sehr abgekürzte Darstellung der Analysen zugutehalten, und so dem Autor Glauben schenken, wo seine Analysen Beweise fehlen lassen. Wer Umfang und Schwierigkeit einer gründlichen Analyse kennt, schreckt ja vor Publizierung von Momentanalysen oder unfertigen, schon beim aktuellen Symptomanlaß Halt machenden Krankengeschichten mit Recht um der Beweiskraft und Wissenschaftlichkeit willen zurück! Des Autors besondere Begabung und Persönlichkeitswirkung — als Pfarrer! — mag an frühen, die Analyse vorzeitig abschließenden, mehr oder weniger dauerhaften Besserungen mitwirken, zumal er das Führen zum Glauben und wie wir sehen werden, andere erzieherische Einflüsse gleichzeitig betreibt. Die Psychoanalyse ist ihm nicht nur wissenschaftliche Erkenntnis, sondern enthält auch „eine nichtwissenschaftliche Tätigkeit“, welche der Intuition verwandt ist.
Wie voll Pfister die Bedeutung der Sexualität anerkennt, mögen folgende Sätze zeigen: „Auch Vermögensverluste, Mangel an Anerkennung, Ehrverletzungen, ja sogar religiöse oder ethische Bedenken, Skrupeln u. dgl. erzeugen nur dann verhängnisvolle Entgleisungen der Entwicklung eines Zöglings, wenn mit ihnen eine schwere sexuelle oder erotische Erschütterung verbunden ist“ (S. 83). — S. 85: „Angst i