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(Nach einem Vortrag, gehalten auf der II. Jahresversammlung des Vereines für mediz. Psychologie und Psychotherapie in Wien, September 1913.)
Wenn wir von Psychoanalyse schlechthin sprechen, dann nehmen wir sie im Sinne ihres Begründers, so wie wir ihn verstehen, und lassen alles beiseite, was Andere — von Freud entscheidend angeregt — daraus gemacht haben oder zu machen versuchen. Wir fragen, was Psychoanalyse in diesem genuinen Sinne mit Erziehung zu tun habe. Aus der Antwort wird sich für den Kenner der psychoanalytischen Derivate und Neubildungen ohne weiteres ergeben, wie diese sich zur Erziehung verhalten. Man braucht nur diejenigen Erwägungen auf sie anzuwenden, die wir im folgenden mit Bezug auf die Freudsche Psychoanalyse der Beachtung empfehlen.
Man muß wohl, um die Bedeutung der Psychoanalyse ganz zu erschöpfen, dreierlei in ihr unterscheiden. Psychoanalyse ist zunächst ein Weg oder eine Methode psychologischer Forschung schlechthin, und als solche hat sie sich im Laufe der letzten Jahre immer deutlicher herausgearbeitet. Ihr Ziel ist insofern einfach psychologische Erkenntnis, ohne Beschränkung auf Neurosen und ohne Rücksicht auf therapeutische Möglichkeiten. Die Eigentümlichkeiten dieser Methode dürften bekannt sein. Wir heben kurz das wichtigste heraus. Die Psychoanalyse geht vor allem darauf aus, psychische Fakta, die aus bewußten Zusammenhängen heraus nicht zu begreifen sind, aus unbewußten Wurzeln zu verstehen, wobei dem infantilen Erleben als dem wichtigsten Nährboden des Unbewußten eine sehr große Rolle zugewiesen wird. Dem Unbewußten selber sucht die Psychoanalyse nahe zu kommen durch Beachtung symptomatischer Äußerungen und Handlungen, durch Aufhellung dunklerer Bewußtseinsgebiete im psychoanalytischen Gespräche, unter besonderer Berücksichtigung der Fingerzeige, welche in den Träumen gesehen werden, und durch ähnliche Mittel. Als eine Art heuristischen Prinzips dient dabei, wenigstens heute, die ihrerseits psychoanalytischen