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Kaum eine andere Publikation Freuds hat so affektvollen Widerspruch erregt, als seine Abhandlung über Charakter und Analerotik, und ich muß bekennen, daß auch mir gerade diese Aufstellungen lange Zeit als direkt unsinnig erschienen sind, bis ich — wirklich malgrès mois — im Verlaufe einer Kinderanalyse vor so unzweideutige Hinweise gestellt wurde, daß ich nichts anderes tun konnte, als die Tatsachen zu sehen, die Freud unter dem Begriff der Analerotik zusammen gefaßt hat. Zahlreiche Publikationen anderer Autoren haben seither die Behauptung, daß schon beim Kinde eine „Analerotik“1) vorkommt, außer Zweifel gestellt, und auch mir haben eine Reihe von weiteren Analysen die ersten Beobachtungen bestätigt. Analerotik soll hier und im folgenden nicht mehr besagen, als daß, kurz ausgedrückt, die Defäkationsvorgänge sowie deren Organe als Quellen von Lust erotischer oder besser sexueller Art auftreten, daß ihnen ein erhöhtes sexuell lustbetontes Interesse zugewendet wird.
Freud hat in dem erwähnten kleinen Aufsatz aber zugleich auf das häufige Zusammentreffen von Analerotik in der Kindheitsgeschichte mit einer Trias von Charaktereigenschaften: Ordentlichkeit, Sparsamkeit und Eigensinn, hingewiesen und die Vermutung ausgesprochen, es könnte zwischen den einzelnen Phänomenen ein Zusammenhang bestehen — es sei vielleicht diese Trias als ein „Sublimierungsprodukt der analerotischen Libido“ aufzufassen. Die charakterologische Seite des Problems näher zu untersuchen, ist der Zweck des vorliegenden Aufsatzes,2) der zugleich einen Beitrag zur Kasuistik der Kinderanalysen auf diesem Gebiete darstellt. Wir wollen Freuds Behauptungen nachprüfen und je kritischer wir dabei vorgehen, desto mehr werden wir in seinem Sinne handeln als eines Ewigsuchenden, dem keine Formulierung im Grunde mehr war als