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Die Psychoanalyse muß darauf gefaßt sein, daß ihre Forschungen von den Vertretern der Psychologie nur unter gewissen Schwierigkeiten anerkannt und fortgesetzt werden können. Wenn selbst der Psychologe unsere Resultate erfahren hat und in Anwendung bringen will, fehlen ihm die Hilfen, welche die praktische Empirie unserer intimen Beobachtung täglich bringt.
Scheier anerkennt respektvoll das Verdienst Freuds um die Genealogie der Liebesgefühle, durch Feststellung der Ontogenie derselben, wie sie mutatis mutandis von Feuerbach schon versucht worden war. Im krassen Einzelfall z. B. für Schopenhauers Stellung zu den Frauen, kommt Scheler zu denselben Resultaten wie Referent1): sein Weiberhaß entsprach der schlechten Beziehung zu seiner Mutter und „das Mitleid“ ist auch nach Scheler Reaktion auf Sadismus. Anerkennt aber der Autor wirklich die Bedeutung des frühinfantilen, sozusagen prähistorischen psychischen Erlebens, wie kann er anderseits das Phänomen der „heiligen Liebe“, der Liebe jener seltenen Menschentypen der Heiligen und Märtyrer — als eine ursprünglic he Qualität des Liebens derselben ansehen!? Vor dem Phänomen des „Sichopferns“, des Märtyrertums, der Bekehrung bleibt der Autor verzückt stehen, ohne die Psychogenese (Sublimierung), ohne einen genetischen Zusammenhang z. B. mit Lebens-(Liebes)-enttäuschung oder Masochismus zu suchen. Das Mitgefühl ist nach ihm — angeboren, die Formen der Liebe wie die „seelisch-geistige“ oder die „heilige“ sind — ursprüngliche! Der Autor behandelt unter Liebe alle Spielarten derselben und hält sie für „ursprünglich verschiedene Qualitäten“. Da er aber sich nicht auf beweisende Einzeluntersuchungen berufen kann, sondern sich von seinen Komplexen, so seinem ethisch-religiösen Komplex, wie von seiner Abwendung vor der „wertniedrigen“ Sexualität, offenkundig leiten läßt, können wir nicht diskutieren. Man muß den Mut besitzen, auch die „höheren“ Gefühle und auch die „heiligen“ durch die profane Psychoanalyse ontogenetisch zu erfors