You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die spiritistische und okkultistische Literatur wächst alljährlich um eine ganz bedeutende Menge von Schriften an. Sie hat offenbar ein ausreichendes Publikum, doch kommt es heute, da der Spiritistenrummel längst aufgehört hat, selten vor, daß irgendeine Neuerscheinung allgemeines Interesse wachruft. Ein solches Interesse stellt sich am ehesten ein, wenn man etwa den Namen eines bekannten Gelehrten mit okkultistischen Forschungen verknüpft sieht; so war z. B. die Beschäftigung Lombrosos mit dem Medium Eusapia Paladino eine der letzten Gelegenheiten, wo der Spiritismus die Augen aller auf sich lenkte.
Und nun liegt der neueste Fall vor. Die Ursache des Aufsehens ist diesmal darin zu suchen, daß sich für die Phänomene des Mediumismus eine bisher unerhörte wissenschaftliche Exaktheit ankündigte; ein dickleibiges Buch, ausgiebig illuminiert mit den Aufzeichnungen des objektivsten Beobachters — des photographischen Apparates — erweckt den Anschein, eine neue Ära der Mediumforschung zu gründen, indem es just die seltensten und unglaublichsten Erscheinungen, die „Materialisationen“, mit den kritischesten Kontrollmitteln kreuz und quer untersucht und sie nach hunderterlei Feuerproben zu dokumentarischer Sicherheit erhebt. Der erste Anblick des Buches „Materialisations-Phänomene“ von Dr. A. Freiherr v. Schrenck-Notzing ist wirklich verblüffend. Und es ist begreiflich, daß dieses Buch viel Staub aufwirbelt. So groß bei seinem Erscheinen die Freude der an Materialisationen glaubenden Okkultisten gewesen sein mag und so sehr der Zweifelnde beim oberflächlichen Betrachten des achtunggebietenden Werkes in stummes Staunen geraten mochte: die Stimme der besonnenen Kritiker ist schließlich nur die eine, daß auch die neuen „Beweise“ des Unglaublichen keine Beweise seien und daß der Verfasser, dessen bona fides man allgemein voraussetzt, das Opfer schmählicher Täuschungen geworden sei. Die ernste Anlage des Werkes, die Größe der Arbeit, die darin steckt, der eigentümliche Ruf, den es s