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Preyers klassisches Beispiel, die seelische Entwicklung des Kindes vom Tage seiner Geburt an zu beobachten, hat zahlreiche Väter und Mütter zu gleichem Beginnen angeregt. Wir könnten die von Jahr zu Jahr wachsende Zahl derartiger Beobachtungen mit Freude begrüßen, wenn die Autoren nicht gewisse für das Leben der Erwachsenen bedeutungsvolle Seelenregungen des Kindes konsequent mit Stillschweigen übergingen. Unter dieser falschen Schamhaftigkeit leidet auch Queck-Wilkers Büchlein. Neben diesem Tadel läßt sich auch viel Gutes von dem Werkchen sagen.
In sorgsamer Weise verzeichnet die Autorin, wie die Seele ihres Jungen sich entfaltet, wie sein Sinnenleben erwacht, die ersten Gefühle sich regen. Sein Verhältnis zu den beiden Schwestern, zu Vater und Mutter wird liebevoll beleuchtet, ohne daß freilich die bei keinem Kinde fehlenden gelegentlichen Haßregungen vermerkt würden. Autoerotisches Spielen mit den Füßen und den Händen, Lutschen am eigenen Körper, was von Frau Queck-Wilker mit feinem Verständnis als Zärtlichkeitsbeweis gegen das eigene Ich gedeutet wird, bereitet dem kleinen Jungen die früheste Lust. Auch von Narzißmus ist er nicht frei, da die Mutter schreibt, „am 200. Tage betrachtete er lange und mit großer Andacht“ seine nackten Beinchen.
Wenn die Verfasserin, wie schon bemerkt, auch manches verschweigt, was in der seelischen Entwicklung des Kindes keinem Beobachter, am wenigsten einer Mutter entgeht, z. B. auch das starke infantile Interesse an den Funktionen und den Produkten der Verdauung, so ist doch das Büchlein als schätzenswerter Beitrag zur Kinderpsychologie anzuerkennen.
Dr. H. v. Hug-Hellmuth.