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Ein Schriftchen, das für die psychologische Vorbildung der Kindergärtnerin eintritt, also einen Gedanken propagiert, der, in die Tat umgesetzt, viel Gutes wirken kann, wenn das Studium der Kinderseele sich wirklich mit allen ihren Äußerungen befaßt. Wie weit der Autor hierin geht, läßt die kleine Broschüre nicht erkennen. Sicher hat er recht, wenn er sich gegen „die auch auf das Seelenleben sich stürzende Experimentierwut der Gegenwart“ wendet. Wenn auch der Ansicht des Autors, das Verständnis der Kinderseele müsse auf dem der Seele des Erwachsenen basieren, aus mehr als einem Grunde beizustimmen ist, so scheint mir aber die Auswahl der Gestalten, an deren Geschichte diese Einsicht gewonnen worden soll, nicht eben die günstigste. Warum mit Moses, Petrus, Paulus, Maria beginnen, oder auch die idealisierten Helden der Dichterwerke eher heranziehen, als die lebenswarmen Gestalten der Dichter selbst? Die angehende Kleinkinderlehrerin soll beizeiten die seelische Entwicklung des Kindes und ihre Bedeutung für das Leben des Erwachsenen kennen lernen, aber diese Kenntnis darf nicht auf dem Boden einer speziellen religiösen Richtung vermittelt werden. Die Aufgabe der Kindergärtnerin ist nicht, die Kleinen in christlichem Sinne zu erziehen, sondern in den jungen Seelen zu entfalten, was an guten Keimen, auszurotten, was an schlechten Keimen ans Tageslicht drängt.