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Der Autor versucht, in das Seelenleben der heranwachsenden Jugend, zumal der Mädchen, tiefere Blicke zu tun, als sonst Lehrer es in der Regel auch nur der Mühe wert halten. Er tut dies auf Grund von Aufzeichnungen, die hauptsächlich von Schulmädchen, welche kurz vor ihrer Entlassung aus der Schule stehen, stammen. Paßkönig, der die schönste und herrlichste Pflicht des Lehrers im Erziehen erblickt, bringt manch interessantes Geständnis der halbflüggen Seelen, interessant mehr durch das Verschwiegene als durch das Enthüllte. Daß diese jungen Mädchen fast alle halb bewußt, halb unbewußt in ihren Lehrer, zu dem sie mit Freimut und Offenheit reden dürfen wie zu keinem anderen, verliebt sind, ist nicht zu bezweifeln und gereicht Herrn Paßkönig nur zum Ruhm. Die Gestalt des Lehrers ist dem Kinde — das wissen wir aus den Geständnissen psychoanalytisch behandelter Kranker und aus den Autobiographien vieler Dichter — ein durch das seltenere Zusammensein verklärtes Abbild des Vaters, dem die erste Liebe des kleinen Mädchens zugeflogen. Und so scheint dem Psychoanalytiker natürlich, was der Autor immer wieder in Bescheidenheit und Scham ablehnen zu müssen glaubt, daß die halbreifen Mädchen, von denen doch manche schon voll entwickelt ist, in ihrem Lehrer mehr oder minder unbewußt den Mann lieben, auch diejenige, die in Gegenwart und Abwesenheit ihrer Mutter mit „ihrem Arno“ zusammensitzt und die versichert, „es geschähe dabei nichts Unanständiges“ (pag. 167). Solche Streiflichter enthüllen uns mehr von den tiefsten Seelenregungen in der Pubertätszeit, als die offenherzigen Bekenntnisse über Naschhaftigkeit und sonstige kleine Unehrlichkeiten.
Paßkönigs Arbeit bietet uns manch Wertvolles aus der Werdezeit des Weibes, die uns in der Regel ein Buch mit sieben Siegeln bleibt.
Dr. H. v. Hug-Hellmuth.