You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Arbeit Kostyleffs stellt, wie schon der Titel sagt, eine Studie zur Psychologie der Liebe dar. Kostyleff zeigt die Unzulänglichkeit der früheren physiologisch orientierten Forschungen über die seelische Entstehung der sexuellen Gefühle und behauptet, daß sich die Situation durch die Resultate der psychoanalytischen Arbeiten geändert habe. Aus ihnen ergibt sich ihm, daß das synthetische Bild, das Beherrschende im Liebesgefühl, ganz
oder teilweise unbewußt sein kann. Kostyleffs Bestreben ist es, die psychoanalytischen Resultate mit den Befunden der „objektiven Psychologie“ Bechterews zu verbinden. Er geht von Freuds „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“ aus, deren hauptsächlichste Ergebnisse er kurz darstellt. An drei psychoanalytischen Arbeiten der jüngsten Zeit will nun der Autor zeigen, welcher Art die von dem sexuellen Instinkt unabhängige (?) Erotik ist, wie sie sich dann mit psychischen Faktoren assoziiert; endlich wie sich auf diesem seelischen Terrain ein erotischer Komplex konstituiert. Die erste Arbeit ist Sadgers „Haut-, Schleimhaut- und Muskelerotik“, deren Bedeutung der Autor erkennt. Ein längerer Exkurs dient hier dazu, den Begriff der erogenen Zonen abzugrenzen und dem Verständnisse der Leser näherzubringen. Die physiologischen und psychologischen Bedingungen der Haut- und Muskelerotik werden mit großem Verständnis geschildert. Die Arbeiten von Dr. Abraham und Rank im Jahrbuch werden ausgiebig zitiert. Kostyleff erhebt hier (leicht widerlegbare) Einwände gegen die Behauptung Ranks, daß der Narzißmus ein Stadium der normalen Libidoentwicklung sei. Er will Narzißmus und Fixierung an die Mutter nur als Spezialfall gelten lassen, doch erklärt er die Beobachtungen von Abraham, Rank und Sadger als höchst bedeutungsvoll für das Studium der Liebesgefühle. Die Psychoanalyse hat der Wissenschaft einen unschätzbaren Dienst erwiesen durch die Aufdeckung der extragenitalen Sexualität und der damit verbundenen Phantasien. Die Arbeiten der Schüler Freuds eröffne