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Das über 1000 Seiten starke Buch von M. H. ließ mir gemischte Eindrücke zurück, je nach dem Kapitel, das ich just las. Es gibt da ganze große Partien, die durchaus einwandfrei, für jeden belehrend sind, eine Fülle von Selbsterfahrenem bringen. Daneben stehen aber nicht wenige Kapitel, in welchen man Mühe hat, den früheren Hirschfeld wiederzufinden. Man muß sich stets neu vor Augen halten, daß die Homosexuellen jetzt in einem verzweifelten Ringen begriffen um Abschaffung der unterschiedlichen Urningsparagraphe und daß ihr da fraglos berechtigter Kampf gar manche extreme Blüte zeitigt, die nur der Eifer für eine gute Sache noch halbwegs entschuldigt. In einer meiner Arbeiten hob ich als bezeichnend für den Urning die Verlogenheit hervor, welche freilich eine notwendige Konsequenz ihrer ungerechten Verfolgung bilde. Bei ihren literarischen Wortführern aber fand ich fast immer eine deutliche Tendenz zur Schönfärberei. Ihre Schriften schienen bloß angelegt zu sein, beim Leser Rührung und Mitleid zu erregen. Nur die schönsten Seiten der Inversion, eventuell noch ihre bedauernswerte Verfolgung, wurden da in hellstes Licht gestellt. Man war versucht, gleich dem verflossenen preußischen Minister auszurufen: „Eigentlich eine Schande, nicht selber auf dieser Liste zu stehen!“ Daß auch gleichgeschlechtliche Akte stattfinden, wurde vor Rührung beinahe vergessen. Meist hatte man den Eindruck, daß es nichts Idealeres gebe, als die Kaffeekränzchen der Homosexuellen. Diese Menschen hatten anscheinend kein anderes Sexualziel, als sich zu küssen und zu umarmen, materiell und geistig einander zu fördern und höchstens noch dazu Kaffee zu trinken. Daß es daneben noch eine minder harmlose, grob sexuelle Betätigung gebe, wurde zwar nicht schlankweg abgeleugnet, doch kaum mit flüchtigen Worten berührt, wenn nicht geradezu wegwerfend abgetan. Am verwunderlichsten war es, wenn man dem Wörtchen „Päderastie“ zufällig in die Nähe kam. Da ging ein weltfremdes, schmerzliches Staunen durch alle Rei