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Professor Dr. Karl von den Steinen machte in den Jahren 1887-1888 eine Expedition, um die Naturvölker Zentralbrasiliens aufzusuchen und ihre anthropologischen Differenzen, ihre Sitten und Gebräuche usw. kennen zu lernen. In seinem 1893 erschienenen Werke1) schildert er auch den Eindruck, den die völlige Nacktheit der Bakaïri auf ihn machte. Man beachtet sie nach einer Viertelstunde gar nicht mehr und „wenn man sich ihrer dann absichtlich erinnert und sich fragt, ob die nackten Menschen: Vater, Mutter und Kinder, die dort arglos umherstehen oder gehen, wegen ihrer Schamlosigkeit verdammt oder bemitleidet werden sollen, so muß man entweder darüber lachen, wie über etwas unsäglich Albernes oder dagegen Einspruch erheben wie gegen etwas Erbärmliches.“ Die Bekleidung von den Steinens und seiner Begleiter schien diesem auf primitiver Stufe stehenden Indianerstamm merkwürdig und der Gelehrte mußte es sich gefallen lassen, daß Männer und Frauen ihn zum Baden begleiteten und seine Kleider auf das genaueste untersuchten. „Für das peinliche Gefühl, das ich ihrer Neugierde gegenüber zu empfinden wohlerzogen genug war, fehlte ihnen das Verständnis.“
Der Forscher erzählt nun zum Beweise, „mit welcher Schnelligkeit man sich bis in die Regionen des Unbewußten hinein“ an die nackte Umgebung gewöhnen kann, einen Traum, den er vom 15. auf den 16. September und ebenso in der folgenden Nacht träumte. Er sah sich darin in der deutschen Heimat und alle Bekannten nackt wie die Bakaïri: „Ich selbst war im Traum erstaunt darüber, aber meine Tischnachbarin bei einem Diner, an dem ich teilnahm, eine hochachtbare Dame, beruhigte mich sofort, indem sie sagte: ‚jetzt gehen ja alle so‘.“
Wir werden annehmen, daß dieser Nacktheitstraum an Gedankengänge am Tage vorher anknüpfte, welche eine Protesteinstellung des Gelehrten gegen die Prüderie der Kulturgesellschaft verraten. (Vgl. die vorstehenden Betrachtungen des Forschers über die Nacktheit.) Anderseits konnte er selbst der Hemmungen, die sich bei s