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Der berühmte Heidelberger Philosoph hat sich nun auch über die Theorien des Unbewußten ausgesprochen. Es ist verständlich, wenn er die Hypothesen von Descartes bis Schopenhauer und Hartmann führt; unverständlich bleibt die Tatsache, daß er dem von den Philosophen geschaffenen Begriff den psychoanalytischen anreiht, als wäre dieser von gleicher Art, ein metaphysisches Schemenbild. Ich will hier die Sätze anführen, welche ein in Deutschland hochgeschätzter Professor der Philosophie als Zusammenfassung seiner Meinung über die Psychoanalyse im Jahre 1914 aussprach: „Man schreckt kaum mehr vor der unheimlichen Vorstellung zurück, daß zu unserem seelischen Lebensbestand Inhalte, Regungen und Strebungen gehören können, von denen wir in dem klaren Ablauf unserer beruflichen Tätigkeit nichts ahnen, daß wir darauf gefaßt sein müssen, aus dieser dunkleu Tiefe Mächte in uns selbst aufsteigen zu sehen, denen unser rational bewußtes Wesen nicht gewachsen ist. Was an Leidenschaft und Unvernunft aus unbekanntea Gründen in das Menschenleben einbricht, das gilt als willkommene Bestätigung dieser Lebensauffassung, und alle irrationalen Neigungen der heutigen Weltansicht haben hier in der dämonischen Macht des Unbewußten ihren willkommenen Sammelpunkt. Lassen Sie mich nur an die Auswüchse der sogenannten Psychoanalyse erinnern, um die bedenklichen Folgerungen zu kennzeichnen, die sich daraus ergeben können.“ Doch dieser Gegner ist wenigstens ehrlich: er sagt freimütig, daß er als „Laie in der heutigen Psychologie“ kein Recht habe, die Analyse zu beurteilen. Es erhebt sich die Frage, warum er es dann (trotz solcher Einsicht) tut.
Dr. Theodor Reik.