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In seinen „Formulierungen über die zwei Prinzipien des psychischen Geschehens“**) hat Freud zwischen Lust-Unlust- und Realitätsprinzip unterschieden. Wäre diese Arbeit in ihrer Tragweite gewürdigt worden, so hätten sich viele spätere Versuche, für die Freudschen Lehren neue Grundlagen zu schaffen, erübrigen lassen. Denn jene psychischen Leistungen und Tendenzen, welche von Jung und seinen Anhängern in den Vordergrund gerückt wurden, sind in dieser Arbeit, allerdings bloß in ihren Grundlagen, erkannt und formuliert worden. Das Thema ist ziemlich schwierig und ich will den Versuch machen, die Gegensätze zwischen beiden Prinzipien hervorzuheben, auch deshalb, weil dieselben selten in der psychoanalytischen Literatur den Untersuchungen zu Grunde gelegt und auch oft mißverständlich angewendet werden. So glauben viele Psychoanalytiker, daß das Unbewußte ausschließlich nach dem Lust-Unlust-, das Bewußtsein ausschließlich nach dem Realitätsprinzip arbeite. Nach Freud ist nur die erste dieser Behauptungen richtig. Er hält daran fest, daß im Unbewußten nur das Lust-Unlustprinzip zur Geltung kommt. Da wir keine direkte Kenntnis des Unbewußten erlangen, so ist das eine Hypothese, und zwar eine grundlegende.
In den theoretischen Abschnitten der Traumdeutung und in der Arbeit über die zwei Prinzipien des psychischen Geschehens hat Freud seine Gründe für diese Annahme dargelegt. Sie hängt mit seiner Auffassung, daß die ursprünglichen primitiven psychischen Funktionen durch die höheren nicht ersetzt und abgelöst, sondern nur gehemmt und von ihnen als Material verwendet werden, zusammen. Wo wir aber in pathologischen Fällen bei Erwachsenen, nämlich in gewissen Psychosen, oder aber in frühen Stadien der Kindheit noch die primitiven Funktionen allein wirksam sehen, ist die Lust-Unlustreaktion ausschließlich zu finden. Für die Lust-Unlustreaktion hat Freud das Beispiel des Neugeborenen und noch reiner das des Hühnleins in der