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Dr. Odier, Assistent an der Nervenheilanstalt de Beltir in Genf, veröffentlicht in diesem wertvollen, wenngleich nicht einwandfreien Artikel die Beobachtung eines Falles hysterischer Kontraktur, der ihm geeignet scheint, die therapeutische und heuristische Bedeutung der Psychoanalyse zu zeigen.
Luise X. hatte sich im Alter von 18 Jahren in einen jungen Offizier, einen Freund ihres Bruders, verliebt und sich mit ihm verlobt. Die Auflösung dieser Verlobung, welche nach zwei Jahren erfolgte, und die ihr vorangehenden Ereignisse waren für die Patientin Anlaß starker Affekte gewesen. In dieser Zeit machte sie eine lange Krisis, von Hyperchlorhydrie durch und hatte einen Anfall von Pseudoappendizitis, der so heftig war, daß der Arzt mit der Möglichkeit einer Operation rechnete. Alle diese nervösen Zustände waren vorübergehend. Die Hauptrolle in der Psychogenese der Kontraktur fällt nach Dr. Odiers Ansicht einem viel späteren Ereignisse zu. Luise befand sich im Juni 1911 auf dem Lande bei ihrem Bruder. Eines Tages zog sich dieser bei einem Motorcycleunfall einen Beinbruch (links) zu. Luise assistierte dem Arzte, der die Fraktur behandelte. Nun kam der Freund des Brudere, jener frühere Bräutigam Luisens, zum Besuche des Kranken. Luise trat ins Krankenzimmer, erkannte den früheren Freund, dessen unerwartete Anwesenheit sie in tiefste Verwirrung brachte, sie stammelte einige Worte, verstummte dann und entfloh. Dieses Ereignis besitze den Wert eines gewichtigen psychischen Traumas. Während der Krankheit des Bruders kam Luisens Neurose noch nicht zum Ausbruche; erst mit dessen Genesung setzten ihre Beschwerden ein, die sich beim Tode des Vaters steigerten. Einige Monate nachher stellte sich das erste auffällige Symptom ein: der Mutismus, hierauf das zweite: die Kontraktur des Fußes. Ihr Vater und ihr Bräutigam, so erzählt