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Mit Recht macht der Verfasser darauf aufmerksam, daß das psychische Wesen der Liebe bisher wenig untersucht worden sei, gerade als ob die Geschlechtsliebe der Wissenschaft zu gering, dem Leben zu hoch erschienen wäre. Hingegen kann dieser Arbeit nicht zugebilligt werden, daß sie Neues zu diesem Thema brächte und vor allem muß geleugnet werden, daß sie „eine psychoanalytische Studie“ vorstelle, wie der Verfasser in seinem Autoreferat behauptet. Die Bezeichnung „psychoanalytisch“ ist genügend populär geworden, um nur die Untersuchung auf den unbewußten Gehalt psychischer Phänomene zu bezeichnen: von einer Heranziehung Unbewußt-Psychischen ist aber bei Rosenthal nichts zu finden. Die infantile Psychosexualität, die das Vorbild des späteren Liebens darstellt, wird kaum gestreift. Wir begegnen auch mancher Platitüde: z. B. findet sich als gesperrt gedruckte Bedeutsamkeit der Satz: „Die Liebe ist, wie der Mensch ist“.
Einem interessanten Thema widmet der Verfasser ausführliche Erörterung, nämlich der gegenwärtigen „Überschätzung der Liebe als Kulturfaktor“, für welche Ellen Keys Schriften ein krasses Beispiel geben. Der sittliche Wert der Liebe für die Individuen und ihr kultureller Wert für die Gesellschaft sei nur ein sehr geringer. Die Liebe sei bloß scheinbar altruistisch, tatsächlich „nur“ Egoismus, Glück Sehnsucht; wohl behütete Kinder von Vernunftehen den Kindern der Liebe überlegen. In sozialer Hinsicht lähme die Liebe Kräfte, anstatt sie zu wecken; der Pflichtbegriff sei ihr überzuordnen.
Diesem brav-bürgerlichen Rationalismus kann man nur zustimmen, um so mehr, als die Liebe dadurch nicht ausgerottet werden wird.
Dr. E. Hitschmann