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Bei einer Tischgesellschaft bemerkt zu mir eine mir sehr befreundete Dame (Frl. N.): „Was soll es heißen, daß ich durch einige Tage fortwährend von Kampfergeruch verfolgt war; ich roch ihn überall; ich meinte, er gehe von Frl. G. aus, deren Parfüm wahrscheinlich einen Kampferzusatz haben dürfte, und war nicht wenig erstaunt, als das Fräulein dies leugnete. Sie wies mir auch ihr Parfüm vor; ich roch dazu, ohne jedoch daran etwas von Kampfer wahrzunehmen; seit diesem Moment ist aber auch der mich verfolgende Geruch verschwunden.“
Anfangs gar nicht geneigt, auf diese Episode einzugehen, werde ich auf einmal von dem kaum zu definierenden und dem Analytiker doch so wohlbekannten Gefühl beschlichen, welches das Erfassen des Unbewußten einleitet und begleitet; die nächste Sekunde aber brachte mir schon die klare gedankliche Formulierung, es handle sich dabei um den Neger, welcher sich in der Pension aufhält, deren Eigentümerin Fräulein N. ist.
Zwei Umstände waren es, die mir, der nur sehr selten und bloß für einige Stunden die Pension besuchte, diese Deutung ermöglichten. Denn ich war im allgemeinen orientiert über die divergierende Einstellung der beiden Damen gegenüber dem Neger, — von denen die N. sowohl aus Geschäftsrücksichten als auch aus Interesse an Apartem sich dem Neger ohneweiters gesellschaftlich anschloß und eifrig ihm die Stange hielt, besonders gegenüber der G., die auf ihn mit einem stark infantilen, zweifellos auch lustvolle Momente in sich bergenden Grausen reagierte.
Überdies aber wurde mir das Verständnis auch durch die Erinnerung an die kleine Szene ermöglicht, die sich vor Wochen beim Einzuge des Negers in die Pension abgespielt hatte. Ich neckte damals die G. mit ihrem Grausen und verwies es ihr; zugleich aber neckte ich auch die N., denn als diese, vermeinend, sie hätte in mir schon einen Bundesgenossen gegen die G. gefunden, mir erst recht die geistigen und moralischen Qualitäten des Negers hervorhob, da versetzte ich trocken: Das wäre schon recht, we