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Die Statistik bestätigt die oft aufgestellte Behauptung von einer steten Zunahme der Schtilerselbstmorde nicht. Neter fordert mit Recht, man möge die größere Aufmerksamkeit jenen weit zahlreicheren Kindern zuwenden, die gleich schwer leiden, ohne dem Selbstmorde zu verfallen. Denn seiner Überzeugung
nach sind es fast immer die übersensitiven, lebensuntüchtigen, in ihrer Willensenergie verpfuschten Elemente unter den Kindern, die zum Selbstmord greifen. Die Schädlichkeiten sieht er nicht nur in einer vererbten untüchtigen Anlage, sondern vor allem in den Wirkungen eines schädlichen Milieus. Er betont, daß die sogenannten Selbstmordmotive gewöhnlich nur die letzten Anlässe sind, daß aber nach den tieferen Gründen jedesmal erst ge-forscht werden mußte. Die Schule nimmt Neter wohl mit Recht in Schutz; wo das Haus nicht versagt, wird die Schule nicht zum Selbstmordmotiv werden. Über die Prophylaxe spricht der Verfasser manch richtiges, wenn auch nicht neues Wort. Zu dem religiösen Familienleben freilich, das er meint, wird man nicht zurückkehren können, so wenig man das gelbe Fieber damit bekämpfen wird, die Entdeckung Amerikas rückgängig zu machen. Man wird den Kindern vielmehr neuere, dauerhaftere Gefühlswerte geben müssen. Über die Psychologie des jugendlichen Selbstmörders sagt uns Neter fast nichts.
Friedjung.