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In allerneuester Zeit isolierte Bleuler eine psychische Krankheits-gruppe unter dem Namen „Verhältnisblödsinn“. Die Arbeit Bleulers ist uns nicht zugänglich, wir müssen also nach Buchner zitieren, was Bl. darunter versteht. Der Verhältnisblödsinn ist „ein Scheitern im Sinne des Blödsinns, durch ein ungünstiges Verhältnis verschiedener psychischer Eigenschaften unter sich bewirkt, ohne daß irgend eine Funktion für sich allein genommen, als Ursache bezeichnet werden könnte“. Beispielsweise kann „dem Triebe der Verstand Aufgaben stellen, denen dieser nicht gewachsen ist, während er unter gewöhnlichen Verhältnissen genügen würde“. Ein Hauptsymptom des Verhältnisblödsinns ist die „Entfernung des Denkens von der Wirklichkeit“. Diese Art Blödsinn kann angeboren oder erworben sein, sie kann „auch bei der Schizophrenie in Erscheinung treten“.
Wenn man von einem neuen Terminus hört, erwartet man von ihm mit Recht, daß er uns neue Tatsachen oder zumindest die neuartige Beleuchtung des schon Bekannten lehre. Die obige Bestimmung des Begriffes „Verhältnisblödsinn“ zeigt aber, daß Bl.s neuer Terminus überflüssig ist, da der damit bezeichnete Zustand — mit anderer Nomenklatur — schon psychiatrisch beschrieben ist. Die ganze Verdrängungslehre der Neurosen im Sinne Freuds fußt auf der Annahme, daß psychische Gesundheit oder Erkrankung vom dynamischen Verhältnis intrapsychischer Mächte abhängt, daß also alle nichtorganischen Neurosen und Psychosen „Verhältnisneurosen“, beziehungsweise „Verhältnispsychosen“ sind. Niemals wurde von Freud ein bestimmter