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Die fiebernden Pneumoniker werden in den ersten Tagen nach dem Schüttelfrost aus dem Bett genommen und dürfen 4-6 Stunden pro Tag auf
sein. Dabei geht das Fieber um 5/10 bis 2 ganze Grade herunter, die Atemfrequenz vermindert sich, der Blutdruck steigt, und vor allem werden die Delirien vermieden. Nicht absolut überzeugend ist die Erklärung, die Verfasser für diese Erscheinungen gibt, zum wenigsten lassen sich andere Deutungen nicht ausschließen. Verfasser hat beobachtet, daß die Delirien der Pneumoniker stets bestimmter Art sind: sie betreffen das, was Verfasser die grundlegenden Bewußtseinsqualitäten nennt: das Lagegefühl, das Ortsbewußtsein, die Folge, die Ordnung, den Rhythmus. Durch das Außerbettbringen will er den Bewußtseinsausfall kompensieren. Die träge Schwerlinie der Ruhelage wird in einen mobilen Punkt umgewandelt und Hunderte von hohen und niederen Reflexzentren gezwungen, sich dem labilen Gleichgewicht anzupassen. Das Bewußtsein wird auf diese Weise tausendfach unterrichtet und mit frischen, soliden Vorstellungen versehen.
Für uns ist interessant an dieser Arbeit, daß ein innerer Mediziner das Krankheitsbild der Pneumonie in Abhängigkeit von psychischen Vorgängen sieht; er betont, daß nur selten Prodromalsymptome der psychischen Sphäre, wie Schock, Trauma, psychische Konflikte fehlen, die in der Akme der Krankheit mit Hartnäckigkeit wiederkehren; er stellt das „Durchgehen einer psychischen Obernote durch die ganze Krankheit“ fest und ist von der Abhängigkeit der Bluttension von der Psyche überzeugt.
Was er Analyse der seelischen Vorgänge nennt, hat freilich mit Tiefenpsychologie nichts zu tun.
Margarete Stegmann.