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Die Ergebnisse der Psychoanalyse zwangen dessen Begründer zu einer bedeutenden Erweiterung des Libidobegriffes. Freud sah sich gezwungen, unter Libido alles das zu verstehen, was man im Deutschen unter dem Liebesverlangen im weitesten Sinne und unter sexueller Betätigung im engeren Sinne versteht. Versuchen wir uns klarzumachen, was Freud zu dieser so großen Erweiterung des Begriffes geführt hat (Freud ist zwar ein Forscher, der sich keineswegs scheut, alte Begriffe in einem von dem landläufigen abweichenden Sinne zu gebrauchen, der dies aber nur dann tut, wenn ihn schwerwiegende Gründe dazu veranlassen).
Mit wachsendem Erstaunen erkannte er, daß schon im gewöhnlichen normalen Kinde sich ein starkes erotisches Leben abspielt, und daß es ein von den Erwachsenen zurechtgelegtes Märchen ist, wenn dem Kinde eine eigentliche Erotik abgesprochen wird. (Übrigens geschieht dies nach meiner Erfahrung mehr von Akademikern als von Laien!) Wann schon ein erotisches Leben beginnt, darüber gehen noch jetzt auch unter Psychoanalytikern die Meinungen auseinander. Freud sieht schon im Ludeln oder Wonnesaugen des Kindes eine sexuelle Betätigung und ein Lustergebnis. Es läßt sich allerdings nicht direkt widerlegen, wenn Jung darin nur eine Ernährungslust sieht.1) Wir können den Säugling nicht fragen und aus späteren krankhaften Erscheinungen Rückschlüsse zu ziehen, kann praktisch oft von größter Bedeutung sein, hat aber, soweit es sich um psychisches Gebiet handelt, dessen sämtliche Faktoren uns nie ganz bekannt sein können, keine zwingende theoretische Beweiskraft. Eigentümlich jedoch ist die Ablehnung der Freud schen Annahme durch Jung. Er gibt zwar zu, daß „beim aufwachsenden Kinde sogenannte schlechte Gewohnheiten auftreten, die sich eng an das früh infantile Lutschen anschließen, wie Finger in den Mund stecken, Nägelkauen, Nasen- und Ohrenbohren usw.“ Er hat selbst die Tatsache beobachtet, daß diese Manipulation (die den Kindern eine eigentümliche Lust bereitet, welche nicht die