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Der Umstand, daß die bisher in der Literatur beschriebenen Fälle von Fußfetischismus sich durchwegs auf Männer beziehen, veranlaßt mich, einen wenn auch nicht analysierten Fall einer Stiefelfetischistin zu berichten. Obwohl er nahezu zwölf Jahre zurückliegt, blieb er mir gut in Erinnerung, weil er im Freundeskreis oft besprochen wurde, ohne daß man sich freilich der wahren Bedeutung dieser „Marotte“ bewußt wurde.
Es handelt sich um eine damals ungefähr 30jährige Frau, deren Gatte, ein Generalstabsoberst, sich nach einer zwei- oder dreijährigen Ehe erschoß; wie behauptet wurde, aus Enttäuschung und Unbefriedigtheit derselben. Die Dame stammte aus einer hochangesehenen Generalsfamilie; als die jüngste von drei Töchtern galt sie von frühester Kindheit an als erklärter Liebling ihres Vaters. Auch sie hing leidenschaftlich an ihm und war stolz, mit ihm in den Straßen der Garnison, in der er erst als Oberst, dann als Greneral der Erste und Vornehmste war, zu gehen. Eine besondere Schwärmerei aber zeigte sie schon von früh auf für die hohen glänzenden Reitstiefel ihres Vaters. Ihr sehnlichster Wunsch, wenigstens im Winter solche tragen zu dürfen, wurde zu ihrem zehnten Geburtstag erfüllt. Später interessierte sie sich lebhaft für militärische Übungen, und war im Militärschematismus besser orientiert als mancher Offizier. Schon als halbflügges Mädchen umwarben sie die Offiziere der Garnison mit Bewunderung und Schmeichelei, was sie mit viel Koketterie, aber offensichtlich ohne inneren Anteil hinnahm. Nur für Fensterpromenaden zu Pferd war sie sehr empfänglich, weil „ein Mann zu Pferd mit den hohen Stiefeln doch eigentlich erst ein echter Mann sei“. Zahlreiche Heiratsanträge schlug sie aus, bis sie sich mit etwa zwanzig Jahren mit einem um dreißig Jahre älteren Oberstleutnant verlobte. Auf die Vorstellungen ihrer Familie, der Mann sei zu alt für sie, hatte sie immer nur die eine Erwiderung: „Ja, ja, wenn er nicht so entzückende Füße (nämlich hohe Reitstiefel) hätte!“ Der B