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Das neue Buch Dr, Sadgers bietet einen ersten Versuch, den so befremdenden Phänomenen des Schlafwandeins und der Mondsucht von psychoanalytischen Gesichtspunkten her neue Aufklärungen zuzuführen. Die kurze Einleitung orientiert uns darüber, wie dürftig die Auskünfte sind, welche die vor-psychoanalytische Psychologie und Psychiatrie über Noktambulismus und Lunatismus zu geben wußte. Den zu behandelnden Stoff hat der Autor in zwei große Teile gegliedert. Der medizinische Teil umfaßt die Analysen von acht Fällen, von denen fünf Patienten Dr. Sadgers waren, während die übrigen drei Analysen sich nur auf autobiographische Bekenntnisse stützen können. Namentlich Fall I scheint geeignet zu sein, reiche Beiträge zum Verständnis des Nachtwandeins zu liefern. Diesem medizinischen Teile läßt der Autor einen literarischen folgen, in dem er uns zeigt, welches Interesse manche unter den Poeten (z. B. Shakespeare, Otto Ludwig, Kleist, Anzengruber) am Nachtwandeln und der Mondsucht nahmen und daß ihre intuitive Psychologie mit den Resultaten der psychoanalytischen Forschung übereinstimmte. Diese Resultate aber lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: Das Nachtwandeln stellt einen motorischen Durchbrach des Unbewußten dar und dient wie der Traum der Erfüllung heimlicher, verpönter Wünsche, zunächst der Gegenwart, hinter denen sich aber ganz regelmäßig kindliche bergen. Beide sind von sexuell-erotischer Art. Als Hauptwunsch dürfte anzusprechen sein, daß der Nachtwandler zur geliebten Person ins Bett steigen will, wie in der Kindheit. Oft kommt es beim Nachtwandeln zur Identifikation mit dem geliebten Objekt. Als infantiles Vorbild des Nachtwandeins kann oft das Sichschlafenstellen des Kindes betrachtet werden, indem dabei allerlei Verpöntes, namentlich sexueller Art, straflos begangen werden kann. Das gleiche Motiv der Straflosigkeit regiert auch den erwachsenen Nachtwandler. Der motorische Durchbruch des Schlafes und der Bettruhe geht darauf zurück, daß sämtliche Nachtwandler eine