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Diese überaus fein stilisierte Novelle interessiert aus verschiedenen Gesichtspunkten auch den Psychoanalytiker. Sie ist eine jener seltenen Dichtungen, die das ewige, dichterische Hauptproblem, die Liebe, unbefangen an einem gleichgeschlechtlichen Objekte exemplifizieren. Es wird in künstlerischer Weise, mit allen Zeichen echter, aus dem Unbewußten entstammender Phantasie, das Verlieben eines über 50jährigen Dichters in einen Knaben geschildert. Die Persönlichkeit des Dichterhelden — übrigens eines Witwers nach früher, kurzer, kinderloser Ehe — ist von resigniert vornehmem Charakter, und nicht nur auf der absteigenden Lebenslinie, sondern auch von einer gewissen morbiden Dekadence. Mit der Abreise des Mannes aus seiner deutschen Heimat setzt die Novelle ein und endet mit dem Tode des Helden, der nach längerem Aufenthalt in Venedig der Cholera erliegt. Eben dieser Aufenthalt auf dem Lido ist ganz von seiner homosexuellen, platonischen Liebe erfüllt. Die homosexuelle Empfindung ist ihm ein unstatthaftes, inneres Erlebnis, eine exotische Ausschweifung des Gefühles. Doch wird auf infantil Erlebtes angespielt: „Ehemalige Gefühle, frühe, köstliche Drangsale des Herzens, die im strengen Dienste seines Lebens erstorben waren und nun so sonderbar gewandelt zurückkehrten.“
Müde und blasiert, das Inventar quasi seines äußeren und inneren Lebens aufnehmend, wie an einem Wendepunkt aus Enttäuschung und Überdruß: so begegnen wir zum erstenmal dem Helden der Novelle in seiner Vaterstadt; eine mystische befremdende und abstoßende Männerfigur taucht ihm wie traumhaft