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Jeder vorurteilsfreie Beobachter kennt die Eifersucht, mit der erstgeborene Kinder einem nachgeborenen Geschwister begegnen. Der Zwang, sich in die Liebe der Eltern und Pflegerinnen, über die sie bis dahin allein verfügen konnten, nunmehr mit einem zweiten teilen zu müssen, führt zumeist zu einer Einstellung, die sich oft in naiven Äußerungen des Hasses gegen den Eindringling kundgibt. Ist der Altersunterschied groß, d. h. etwa 5 Jahre oder mehr, so zeigt diese Einstellung meist bald einen ambivalenten Charakter: Das größere Kind, besonders ein Mädchen, findet rasch auch Pflegerinteressen an dem kleinen und zieht so bald auch Lustgewinn aus der anfangs nur peinlich empfundenen Änderung seiner Lage. Unverkennbar also wird das psychische Verhalten und mit der Zeit der Charakter des älteren Kindes durch die Geburt des jüngeren Kindes beeinflußt, und zwar in einer typischen Richtung. — In den Beobachtungen, die ich kurz mitteilen möchte, war dieser Eindruck besonders aufdringlich:
Das nicht ganz sechsjährige Töchterchen eines gesunden jüdischen Ehepaares bekommt einen Bruder. Für einige Tage aus diesem Anlasse bei einer Tante untergebracht, ist das sonst fügsame Kind auffällig ungebärdig. Es weint: „Man wird das Kind in mein Bett legen.“ Die Tante äußert in richtiger Voraussicht: „Mit der wird man es jetzt nicht leicht haben.“ In der Tat begegnet das Mädchen dem kleinen Knaben anfangs mit feindseliger Eifersucht, namentlich will es nicht erlauben, daß der Kleine in „ihrer“ Wanne gebadet werde. Im ganzen ist sie viel „schlimmer“ als früher. Daneben zeigt sie jedoch auch bald liebevolles Interesse für den Bruder. Nach acht Monaten wird an dem Knaben eine Operation notwendig, elf Tage muß er in einem weit entfernten Krankenhause bleiben. Die Mutter darf ihn nur zweimal in der Woche für kurze Zeit besuchen. Das Mädchen ist mit einem Schlage fügsam geworden, braver denn je. Ais der Kleine aber wieder heimgeholt wird, ist sie ebenso plötzlich schlimmer als je vorher, und die M