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Ein an leichter Zwangsneurose leidender Patient mit außerordentlich starkem Ehrgeizkomplex war immerwährend von dem Wunsch gequält, irgend einen Rivalen, besonders in seinem Beruf oder in erotischen Angelegenheiten zu übertreffen, und verbrauchte den größten Teil seiner Energie, um sich direkt dieser selbstgestellten Aufgabe zu widmen. Dasselbe Bestreben zeigte sich auch in Kleinigkeiten, so z. B. war er unfähig, irgend jemandem zu gestatten, daß er ihn beim Spazierengehen oder -fahren überhole usw.
Eines Tages berichtete er mir folgenden Zwang. Sooft er in ein öffentliches Pissoir eintrat, beeilte er sich, den ersten leeren Platz in der Reihe zu besetzen (er zählte als Homosexueller von links, d. h. der erste Platz links war Nummer eins, der „erste dran“. War es ihm gelungen, den ersten Platz zu erlangen, so murmelte er vor sich die Worte hin: „der Erste vor allen“; war es die zweite Stelle, die er sich bemühte zu erlangen (da der erste Platz meist besetzt war), so murmelte er „Keinem nachstehend“; war es der dritte, „unter den ersten drei“ usw.; war es der letzte, so waren die Worte „last but not least“ (der Letzte, aber nicht der Geringste). Mit anderen Worten, der Ehrgeizkomplex loderte in Zwangsform auf im Moment des Urinierens in Gesellschaft anderer Männer. Der Zwang war zugleich eine Schutzmaßregel (Adlers Sicherungstendenz), denn er litt an einem ausgesprochenen Minderheit- und Impotenzkomplex (Kastrationsangst), der besonders den Hauptsitz desselben, das Genitalorgan, betraf.
Die Erklärung, die gewöhnlich für den sonderbaren Zusammenhang von Urethralerotik und Ehrgeiz gegeben wird, ist der vom kleinen Kind erfahrene Stolz, wenn es die Funktion der Sphinkters beherrschen lernt. Ich finde, dies bezieht sich mehr auf das vom Kind dareingesetzte Vertrauen, daß es die exkretorischen Funktionen allein, ohne Mithilfe der Erwachsenen ausführen kann, d. i. eine wahrscheinlich der Selbstkontrolle folgende Stufe der Entwicklung. Der erste Traum, den mir der Patient als