You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Daß unbemerkt vor sich gehende Fehlhandlungen (meist Verluste) dem Unbewußten bekannt sein und sich im Traume zum Bewußtsein bringen können, ist uns bereits aus mehreren analysierten Fällen bekannt.1) Ein einfaches Beispiel dieser Art sei hier noch mitgeteilt. Einem Maschinschreibfräulein wird eines Abends in brüsker Weise von ihrem Chef mit dem Bemerken gekündigt, sie brauche schon am folgenden Tage nicht mehr ins Bureau zu kommen. Den ihr für die Kündigungszeit gebührenden Gehaltsanteil bemißt der Chef mit K 20, die er dem Mädchen in etwas unhöflicher Weise zuschiebt. Dieses Benehmen mißfallt ihr im höchsten Grade, ebenso wie sie mit der Höhe der „Abfertigung“ nicht zufrieden ist und sie verspürt im ersten Augenblick den Impuls, ihm das Geld „hinzuschmeißen“, sagt sich aber sofort, daß sie dann nicht einmal das Not-wendigste hat und „betteln gehen“ müßte. Am nächsten Tage wechselt sie die Banknote und geht abends in verzagter, verdrossener Stimmung nach Hause.
In der Nacht hat sie folgenden Traum: Ein Kind — wie beschützt durch die Gottesmutter (undeutlich) — bettelt sie an, sie will ihm etwas geben, merkt aber, daß sie selbst nichts hat.
Am nächsten Morgen bemerkt sie, daß ihr von dem gewechselten Gelde ein Zehnkronenschein fehlt; sie erzählt es im Hause — ebenso wie den wunderbaren Traum — und es stellt sich heraus, daß die Hausbesorgerin beim Reinemachen die Banknote vor der Tür der Dame gefunden hatte. Es setzt sich in diesem „Verlieren“ der Impuls, das Geld „hinzuschmeißen“, es nicht über ihre Schwelle zu lassen, in so geschickter Weise durch, daß auf der anderen Seite doch noch die Möglichkeit, es wiederzubekommen, offen gelassen wird und die Freude über den Wiedergewinn des verlorenen Geldes die Art seiner Erwerbung tatsächlich übertönt. Außerdem hat sie nun das Geld nicht mehr von dem unanständigen Chef, sondern von dem ehrlichen Finder empfangen und ist so mit dem Besitz ausgesöhnt.