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Dem schönen Buche „Erinnerungen der Glückel von Hameln“2) entnehme ich eine Fabel, die mir eine schöne Illustration des von der Psychoanalyse beschriebenen Gefühlsverhältnisses zwischen Eltern und Kindern zu sein scheint. Freilich wird der tiefe Gedankeninhalt der kleinen Erzählung nicht klar, wenn man beim manifesten Inhalt stehen bleibt. Erst die psychoanalytische Deutung kann aufdecken, welchen Anteil die unbewußten Seelenregungen an der Gestaltung nahmen.
„Es ist einmal ein Vogel gewesen, der hat drei junge Vögelchen gehabt und sich mit ihnen am Ufer des Meeres aufgehalten. Mit einem Male sieht der alte Vogel, daß ein großer Wind kommt und das Meer größer wird und über das Ufer tritt. So sagt er zu seinen Kindern: ‚Wenn wir nicht bald auf jener Seite des Meeres sind, so sind wir verloren.‘ Aber die jungen Vögelchen haben noch nicht fliegen können. Da nimmt der Vogel das eine Vögelchen zwischen seine Füße und fliegt mit ihm über das Meer. Wie sie mitten im Meere sind, sagt der alte Vogel zu seinem Sohn: ‚Mein Kind, sieh doch, welche Beschwerden ich mit dir gehabt habe und wie ich mein Leben um deinetwillen wage. Wenn ich nun alt sein werde, willst du mir dann auch wohltun und mich in meinem Alter ernähren?‘ Da sagte das junge