You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
„Ich empfing die Gabe des Schmerzes, und da ward ich Skalde.“
Franz Schubert gilt nicht nur als unübertroffener Meister des Liedes und als der größte musikalische Lyriker, sondern auch als der phantasiereichste, fruchtbarste Tondichter. „Schubert hat Töne für die feinsten Empfindungen, Gedanken, ja Begebenheiten und Lebenszustände. So tausendgestaltig sich des Menschen Dichten und Trachten bricht, so vielfach die Schubertsche Musik“ (Robert Schumann). Im anscheinenden Gegensatz hiezu ist sein Leben so arm an äußeren Ereignissen, daß sich seine kürzer gefaßten Biographen ent-schuldigen zu müssen glauben, die wenigen uninteressanten Daten vorzulegen, — die ausführlichen aber, daß sie jede Einzelheit dieses bescheidenen Lebens zusammentragen. Vom Vater in die Musik eingeführt, zeigte sich Franz, allen seinen Lehrern vorauseilend, alsbald von überragender Begabung und komponiert bereits vor seinem 10. Lebensjahre. Von seiner späteren Produktion wissen wir, daß sie in echt künstlerischer Weise eine sozusagen hellseherische, überraschend schnelle war, häufig am frühen Morgen die während der Nacht geistergleich aufgetauchten Ideen fixierend. Auch sonstige Angaben über Schuberts Wesen enthalten nichts Auffallendes: er war still, schüchtern, hilflos und in sich gekehrt, naturschwärmerisch, aber auch frohsinnig, im Bohěme-leben exzedierend, in Geselligkeit mit Freunden beliebt und belebend. Er starb mit 31 Jahren, war ledig geblieben. Einer zarten kindlichen Komtesse war er heimlich zugetan gewesen, ein Bürgermädchen, die in seiner ersten Messe schön gesungen, hat er eine Zeitlang geliebt, sie heiratete aber einen andern. „Sonst“, sagt sein Freund Hüttenbrenner, „war er gegen das schöne Geschlecht ein trockener Geselle, nichts weniger als galant. Er vernachlässigte seinen Anzug etc.“ Auf der andern Seite war er übrigens kein Kostverächter und scheint auch eine Geschlechtskrankheit gehabt zu haben.
Nach dem Ausgeführten ergibt sich die Frage: Woher stammt hier das reiche G