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Man hat zuweilen — freilich nur nebenbei — die völlig ablehnende Haltung der psychologischen Wissenschaft gegenüber der Psychanalyse aus affektiven Hemmungen heraus zu verstehen versucht. Zweifellos bestehen diese. Aber wenn wir uns vergegenwärtigen, daß die Psychanalyse alle ihre praktischen und theoretischen Erfolge auch vor Fechner hätte erreichen können und daß die psychanalytischen Kreise mit all ihrem Können und Wissen ein Sonderleben in splendid isolation führen, ohne auch nur eines der Probleme zu berühren, um die in der experimentellen Psychologie so heiß gestritten wird, so erkennen wir, daß hier auch sachliche Unterschiede bestehen müßten. Der Grund dieser ausschließenden Fremdheit ist, daß sich in Psychologie und Psychanalyse zwei verschiedene „Erkenntnisideale“ gegenüberstehen. Seit kurzem entwickelt sich in der Psychologie eine Tendenz, die dem künftigen Historiker so interessant sein wird, wie sie uns Miterlebenden erfreulich ist. In der Psychologie beginnt eine heftige Kritik an ihrem eigenen bisherigen Erkenntnisideal und jeder Schritt zu seiner Überwindung bringt sie den Problemen, den Interessen, Fragestellungen und Ergebnissen der Psychanalyse näher.
Krügers Buch ist, von hier aus gewertet, bei weitem das wichtigste der letzten Jahre. Auch er bringt noch keine Umwertung der Psychanalyse, aber er bereitet sie weiter ausholend und tiefer fundierend vor als irgend wer vor ihm. Seine Kritik an der Methode der modernen Psychologie wird um so nachhaltiger sein, als Krüger zu ihren unbestrittenen wissenschaftlichen Vertretern gehört. Man denkt bei seinem Namen an die Korrelationsrechnung, und wer ihn nur von dieser Seite kennt, hätte alles andere erwartet als eine Kritik, die so den Nerv aller Verirrungen der experimentellen und der physiologischen Psychologie zerschneidet. Besonders in Deutschland war dieses Buch notwendig, wo man die amerikanische „genetic psychology“ zwar viel lobt, aber so wenig kennt und so gar nicht nachahmt.
Auch Krüger hat erlebt,