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Es würde den dieser Zeitschrift gesteckten Rahmen weit überschreiten, wollte ich diese interessante and bedeutungsvolle Schrift in ihrem vollen Inhalte würdigen. Hier möge nur Platz finden, was vom Standpunkte des Psychoanalytikers über Schelers Darstellung und Kritik der Freudschen Libido-theorie gesagt werden muß. Bei der Besprechung der Mitleids- und Liebesgefuhle unterscheidet der Autor vier Theorien, welche er als „die naturalistische Theorie der Liebe“ zusammenfaßt: 1. die Theorien, die Liebe aus dem Mitgefühl erklären, 2. die Theorien, welche das Mitgefühl aus dem sozialen Instinkt verständlich machen wollen, 3. die vom Positivismus (zuerst von L. Feuerbach) aufgestellte geschichtsphilosophische Gedankenreibe und 4. die „ontogenetische Theorie der Liebe, welche Freud geschaffen hat „und die — wäre sie wahr — alles, was wir sagten, illusorisch machen würde“. Die naturalistische Theorie habe ihren Schlußstein und ihre einheitliche Ge-schlossenheit durch die Psychoanalyse erhalten. Ihr diesbezügliches Hauptwerk sei die Arbeit Freuds „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“.“ Neuerdings wende sich die Schule wieder zu ihrem geschichtsphilosophischen Ausgangspunkte zurück, soferne sie ihre Grundsätze „auch zum historischen Verständnis der Mythen, der Religion, der Rechtsbildungen anwendet“. Hier liegt von Seiten Schelers ein zweifacher Irrtum vor: erstens hat die Schule Freuds keinen geschichtsphilosophischen Ausgangspunkt, sondern einen empirischen (Beobachtung und Analyse an Kranken und Gesunden), und zweitens wollen die psychoanalytischen Arbeiten über Mythos, Religion und Recht kein rein historisches, sondern vielmehr ein psychologisches Verständnis eröffnen. In Schelers Darstellung liegt ferner ein Mißverständnis: gewiß behauptet Freud nicht, daß der „Geschlechtstrieb“ (im strengsten Sinne des Wortes: als Trieb nach einem andersgeschlechtlichen Objekt) angeboren sei, wohl aber die Sexualtriebe. Freud behauptet ja: „Der Mensch ist polymorph-pervers“ geboren. Es i