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Die medizinische Wissenschaft hat vor Jahrzehnten u. a. in München, wo der angesehene Internist Müller derzeit wirkt, eine dunkle Vergangenheit gehabt, in der eine spekulativ-mystische Richtung herrschte. Wenn auch noch kein Rückfall in der Medizin droht, so gewinnt derzeit im Volk bis weit in die Kreise der Gebildeten hinein — nicht nur in München — diese Richtung wieder mehr Anklang. Der Okkultismus mit seinen Materialisationsphänomenen blüht trotz aller Entlarvungen, die Astrologie kehrt in Lehrbüchern wieder, und die Horoskope klingen verläßlicher, weil doch — Radiumstrahlen von den Sternen ausstrahlen. Voltakreuz und Elektrohomöopathie machen gute Geschäfte! Der Autor gibt mit an diesen Verirrungen schuld der Vernachlässigung und Verkennung der psychischen Ursachen mancher Krankheitszustände und dem mangelhaften Verständnis für die seelischen Bedürfnisse des Kranken. Der therapeutische Nihilismus treibe die Kranken in die Hände derjenigen, welche den Bedürfnissen der Armen am Geiste mehr entgegenkommen.
Eine ärztliche Psychologie, die von den Grundsätzen der Naturwissenschaft ausgeht und auch den Bereich des Unbewußten mitumfaßt, wird nach Müller berufen sein, Hilfe zu bringen.
Trotzdem fürchtet Referent nach seinen Erfahrungen mit Internisten anderer Städte, daß Müller auch die ihm anscheinend fremde Psychoanalyse — zur Mystik rechnet; wir aber wissen, wie exakt unsere Methode ist, daß sie befähigt ist zu erklären, auch warum der Einzelne den mystischen oder den amystischen „Komplex“ hat. Sobald die seelische Determinierung der mystischen Bedürfnisse und der Neurosen klargelegt ist, werden sich auch Wege zur Eindämmung ergeben. Solang aber die offizielle Medizin Zwangsneurosen durch — Kopfgalvanisation, Hysterien durch — Vielessen, Wasser und Brom heilen will, ist sie eine Zutreiberin der mystischen Scharlatanerie.
Dr. E. Hitschmann.