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Unter den Gründen, welche zur Annahme eines primären Narzißmus zwingen, müssen nach Freud1) auch biologische Rücksichten geltend gemacht werden: Das Individuum führt nämlich eine Doppelexistenz „als sein Selbstzweck und als Glied in einer Kette, die es gegen, jedenfalls ohne seinen Willen dienstbar ist. Es hält selbst die Sexualität für eine seiner Absichten, während eine andere Betrachtung zeigt, daß es nur ein Anhängsel an sein Keimplasma ist, dem es seine Kräfte gegen eine Lustprämie zur Verfügung stellt, der sterbliche Träger — vielleicht — unsterblicher Substanz, wie ein Majoratsherr nur der jeweilige Inhaber einer ihn überdauernden Institution ist“.
Die Psychoanalyse, welche es sorgsam vermeidet, nichtpsychologische Methoden auf ihr Arbeitsgebiet anzuwenden, kann doch gewisser biologischer Voraussetzungen nicht entraten (z. B. der Hypothese der Bisexualität). Anderseits darf sie hoffen, durch eine Synthese der von ihr erforschten psychologischen Probleme einiges Licht auf biologische Grundrätsel zu werfen. In den vorstehenden Sätzen Freuds ist nun zum erstenmal das Problem des Fortpflanzungstriebes von seiten der Psychoanalyse berührt worden. Die Frage, ob es einen Fortpflanzungstrieb gibt, der neben den großen Triebströmungen des Selbsterhaltungstriebes und der Libido als abtrennbarer, angeborener Teil des menschlichen Trieblebens angesehen werden muß, ist eines der großen Grenzprobleme der Biologie und Psychologie. Es ist verständlich, daß wir in den folgenden Bemerkungen, die den bescheidenen Anspruch eines Versuches erster Orientierung keineswegs überschreiten wollen, psychologische Gesichtspunkte in den Vordergrund rücken werden.
Wir sind genötigt, eine innige Beziehung des in Frage stehenden Fortpflanzungstriebes mit dem Sexualtriebe anzunehmen. Diese Beziehung ist eine so enge, daß manche hervorragende Autoren, wie Hegar, Eulenburg, Naecke und Löwenfeld, sogar die Definition des Geschlechtstriebes als eines Impulses zur Fortpflanzung angenommen haben. Hav