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Eine besondere Art von Fehlleistung ist es, irrigerweise zu meinen. daß man eine Fehlhandlung begangen habe. Solche „vermeintliche“ Fehlhandlungen sind gar nicht so selten. Wie oft passiert es einem, der ein Augenglas trägt, daß er die Brille unter dem Tisch suchen will, obzwar sie ihm auf der Nase steckt; wie häufig vermeint man, seine Brieftasche verloren zu haben, bis man sie — nach eifrigem Suchen — an der Stelle findet, wo man sie zuerst hätte suchen sollen, um vom „Verlieren“ und „Wiederfinden“ der Speiskammerschlüssel durch unsere Hausfrauen gar nicht zu reden. Jedenfalls ist diese Art Fehlleistung typisch genug, so daß man dahinter einen speziellen Mechanismus und Dynamismus suchen darf.
Der erste solche Fall, den ich analytisch durchschauen konnte, war eine etwas komplizierte Doppelleistung an Fehlhandlungen.
Eine junge Dame, die sich für die Psychoanalyse theoretisch sehr interessiert (ihr habe ich die Beobachtung des „kleinen Hahnemannes“ zu verdanken), pflegte mich in der Ordinationsstunde hie und da aufzusuchen. Einen ihrer Besuche mußte ich mit dem Bedeuten abkürzen, daß ich sehr viel zu tun habe. Die Dame empfahl sich und ging, — kam aber nach einigen Sekunden wieder und sagte, sie hätte ihren Regenschirm im Zimmer gelassen, was aber durchaus nicht der Fall sein konnte, da sie ja den Schirm — in der Hand hielt. Sie blieb dann noch einige Minuten und wollte unvermittelt die Frage an mich richten, ob sie nicht an einer Entzündung der Ohrspeicheldrüse (ungarisch: fültömirigy) leidet; sie versprach sich aber und sagte: fültöürügy, d. h. Ohrspeichel-Vorwand. Die im Deutschen so unähnlichen Worte „Drüse“ und „Vorwand“ sind eben im Ungarischen phonetisch ziemlich ähnlich lautend, (mirigy, ürügy). Die Dame gestand mir auch auf einiges Befragen, daß sie gerne noch länger bei mir geblieben wäre, so daß ihr Unbewußtes das vermeintliche Vergessen des Regenschirmes als Vorwand zur Verlängerung des Besuches benützt haben mag. Leider war es mir in diesem Falle nicht m