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Die Fälle von Psychopathologia domestica sind so häufig, daß es sich nicht mehr recht lohnt, jeden zu notieren. Wenn aber einmal einer geeignet ist, den Mechanismus dieser Alltagsneurose recht klar zu zeigen, so dürfte es wohl angebracht sein, ihn genau wiederzugeben und die Analyse soweit wie möglich und nötig durchzuführen. Einen solchen Fall aus meinem eigenen Leben möchte ich hier anführen. Ich brauche nicht erst zu versichern, daß die Mitteilung höchst persönlicher und mir wichtiger Dinge auf einigen Widerstand stößt, dessen Überwindung mir wohl nur durch die Tatsache ermöglicht wird, daß mir der Fall Gelegenheit zur Darstellung der theoretischen Seite dieser Vorgänge bietet. Zu einer anonymen Veröffentlichung konnte ich mich nicht entschließen, da dies meinen literarischen Gepflogenheiten nicht entspricht.
Es handelt sich um einen Fall von Verlesen. Ich las vor einigen Tagen aus der Sammlung „Schriften aus der angewandten Seelenkunde“ die Monographie von A. J. Storfer „Zur Sonderstellung des Vatermordes“. Ich besitze eine ziemlich erhebliche Empfindlichkeit für Stil und Architektonik im Aufbau eines Buches und schätze es besonders hoch ein, wenn die Anfangspartie eine in möglichst knappen Sätzen gehaltene Themastellung enthält. Nun ist dies bei dem ebengenannten Buche nicht gerade der Fall, und der Erfolg war für mich ein baldiges Erlahmen der Aufmerksamkeit. Da auf einmal kam eine Stelle, die eine starke Lusterregung hervorrief, und zwar eine, die außerhalb des Themas lag; als ich schon einige Zeilen darüber hinaus war, verspürte ich immer noch das Nachklingen der erregten Affekte, das sogar eher stärker, als schwächer zu werden drohte. Ich hielt daher mit dem Lesen inne und nahm die pathogene Stelle noch einmal vor. Sie lautete (Seite 6): „Großartig in dieser Hinsicht ist die Gestalt des blödsinnigen Amundus in Halbes „Jugend“ mit den so oft wiederkehrenden Worten »der Fremde«, mit seiner Antipathie, deren Epilog der Versuch ist, den Fremden zu töten.“ — Ich