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Bekanntlich haben mehrere Psychoanalytiker und einstige Psychoanalytiker den an sich verdienstlichen, aber meines Erachtens zu negativem Ergebnis führenden Versuch unternommen, die sexuellen Phantasien und ihre pathologischen
Rückwirkungen als rein symbolischen Ausdruck asexueller Strebungen, als bloßes „Als ob“ zu deuten oder, besser gesagt, zu überdeuten. Im Zusammenhang damit sah man sich genötigt, auch die historischen Figuren, die in den Manifestationen zum Ausdruck kommen, ihrer geschichtlichen Bedeutung zu entkleiden und als Autosymbole zu deuten, d. h. als sinnbildliche Andeutung gewisser dem Subjekt angehöriger Triebrichtungen. Der im Traum vorkommende Vater ist dabei vielleicht das Haften an der Autorität, die Mutter das Gemüt oder das Zärtlichkeitsbedürfnis, der Haß gegen den Vater Ausdruck des Emanzipationsgelüstes, der Inzest mit der Mutter verrät den Wunsch nach psychologischer oder sittlicher Wiedergeburt usw.
Ich bedaure, daß zur Begründung solcher Thesen gerade diejenige Instanz außer acht gelassen wird, die allein das entscheidende Wort zu reden vermag, die Erfahrung. Man kann ja allgemein-psychologisch dartun, daß historische Gestalten für uns nur in Betracht kommen, wenn sie zu unserem Lebenspensum in Beziehungen stehen, und somit aus dem historischen Stoff eines Menschen auf seine innere Beschaffenheit geschlossen werden kann. Allein von diesem Zugeständnis bis zur Verwandlung des Historischen in eine bloße Versinnbildlichung subjektiver Strebungen ist noch ein weiter Schritt. Und über die Berechtigung dieses schweren und verwirrenden Schrittes kann nur das Studium der Einzelfälle Aufschluß erteilen.
Ich möchte hier zwei Beispiele darbieten, welche die Dehistorisierung auszuschließen scheinen, ohne damit die Frage anzuschneiden, ob nicht bei veränderter Komplexlage die ätiologisch reale und zuvor im eigentlich sexuellen Sinne gemeinte Inzestphantasie zum Ausdruck eines kulturellen Wunsches umgedichtet werden könne, so daß die ursprünglich sinnli