You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Viele Neurastheniker klagen, „das Leben habe keinen Zweck“, „das Essen, die Defäkation mache ihnen kein Vergnügen“, „sie hätten kein positives
Vergnügen“, „die Ejakulation sei ihnen nur etwas Negatives, wie jeder Genuß“ und ähnliches: was etwa heißen solle, daß der Schmerz sehr peinlich sei, der Genuß aber wenig Freude mache. Schopenhauers Philosophie behauptet Analoges und der Autor sieht die gemeinsame, unbewußte Ursache dieser Anschauungen in Depression; Schopenhauer habe also aus dem Brunnen der Neurasthenie geschöpft. Charakter und Nervositätsart bestimmen sogar die abstrakten, wissenschaftlichen und speziell die philosophischen Gedanken des Gelehrten. „Viele Neurastheniker verfallen auf solche Grübeleien, die, reichlicher ausgestattet und vollkommen ausgearbeitet, einen Grundboden für höchste Philosophie abgeben können. Nicht-Neurastheniker grübeln selten über solche Fragen…“ „Es gibt also einen Unterschied zwischen philosophischer Wahrheit und wissenschaftlicher Wahrheit.“ Referent weist auf seine Psychoanalyse Schopenhauers (Imago, ) hin, eine Arbeit, die sich gründlicher bemüht, die Subjektivität und Psychogenese von Schopenhauers Pessimismus, Willenslehre, Ethik und Metaphysik zu erweisen und den Trieb zur Philosophie überhaupt abzuleiten. Sie begnügt sich nicht mit dem Begriff „neurasthenische Depression“, sondern sucht auch diese Depression noch zu deuten.
Dr. E. Hitschmann.