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Der von Nietzsche geprägte Ausdruck Ressentiment bezeichnet einen dauernden psychischen Zustand, „der durch systematisch geübte Zurückdrängung von Entladungen gewisser Affekte, die an sich normal sind und zum Grundbestande der menschlichen Natur gehören, entsteht und gewisse dauernde Einstellungen auf Arten des Welturteils zur Folge hat“. Schon der Ausdruck weist darauf hin, daß es sich dabei um eine Antwortreaktion handelt, der wichtigste Ausgangspunkt der Ressentimentbildung ist der Racheimpuls. Bei Rache und Neid sind nach Scheler noch bestimmte Affektobjekte vorhanden, sie bedürfen bestimmter Anlässe, um zu erscheinen, und mit Aufhebung dieser Anlässe verschwinden sie. So z. B. hebe die gelungene Rache das Rachegefühl auf. Dies scheint nur so lange richtig, als man bei den bewußten seelischen Vorgängen verbleibt. Der unbewußte Racheimpuls ist in Wahrheit unzerstörbar. (Es ist hier überhaupt zu bemerken, daß Scheler in seinen wertvollen psychologischen Arbeiten das Unbewußte und seine Wirkungen viel zu wenig würdigt.) Bei Nichtentladung der Affekte finde jener Vorgang statt, den Freud „Verdrängung“ genannt hat. Es entstehe jene tiefe Gehemmtheit des Lebensgefühles, die wir Angst nennen. Scheler unterscheidet mit Recht die Verdrängung der Gegenstandsvorstellung, der der ursprüngliche unverdrängte Affekt zugehörte, und die Verschiebung der verdrängten Affekte. Die Richtungsänderung affektiver Impulse wie im Selbsthaß und in der Selbstpeinigung läßt sich unseres Erachtens ohne die von der Psychoanalyse gegebenen Mechanismen sadistischer und masochistischer Triebkomponenten nicht ausreichend erklären. Nur die analytische Erforschung des neurotischen und primitiven Seelenlebens kann uns die psychologische Erklärung der Affektumkehrung im Seelenleben der Wilden liefern. (Vgl. Freud, Totem und Tabu.)
Seiner psychologischen Theorie des Ressentiment läßt Scheler eine — ungleich schwächere — Werttheorie folgen. Es ist ihm dabei selbstverständlich, daß das Ressentiment mit d