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Wie in allen anderen Zweigen der Wissenschaft, kommt es auch in der Psychopathologie nicht selten vor, daß ein Autor polemisch über die Anschauungen eines Forschers diskutiert, anstatt sie mittels wissenschaftlicher Kritik auf ihre Richtigkeit zu prüfen. Wenn der Urheber einer solchen polemischen Erörterung von der deutlichen Absicht geleitet wird, den Forscher in Mißkredit zu bringen, so kann er das zur Zufriedenheit einer voreingenommenen und schlechtinformierten Hörerschaft am bequemsten dadurch erreichen, daß er dem Kritisierten Anschauungen unterschiebt, die dieser nie besaß, oder daß er die bei ihm vorfindlichen verdreht und entstellt. Er genießt dann den Vorteil, sich die Ansichten, die der ihm genehmen Kampfweise die besten Angriffspunkte bieten, nach seinem Belieben aussuchen zu können; es ist ja leicht, die Zielscheibe zu treffen, die man sich nach eigenem Gutdünken aufgestellt hat. Wählt er zum Beispiel die Lächerlichkeit zu seiner Waffe, so muß er nur vorerst die Ansichten des Gegners durch Verdrehungen, Karrikaturen und Übertreibungen, wohl auch durch Erfindungen und Auslassungen in eine lächerliche Form kleiden; er wird dann selbst überrascht sein zu sehen, wie fest alle Pfeile des Witzes und der Satyre, die ihm zu Gebote stehen, an ihnen haften.
Diese Art des Vorgehens ist nur zu gut bekannt: die meisten von uns haben sie am eigenen Leibe erfahren. Gewöhnlich pflegt man, wenn es nur irgend gebt, anzunehmen, daß der Kritiker nicht vorbedacht handelte, daß solche Äußerungen vielmehr die Ausflüsse unbeherrschter Tendenzen seines Seelenlebens sind. Man weist in solchen Fällen nur auf den Mangel an Objektivität tadelnd hin, der mit dem Berufe eines Kritikers so ganz unvereinbar ist. Wenn man jedoch seine guten Gründe zu der Annahme hat, daß diese Methode planmäßig angewendet wurde, dann wird es doch notwendig die Stimme zu lautem Protest zu erheben um wenigstens die falschen Angaben, die gemacht wurden, in die Schranken der Richtigkeit zurückzuweisen. Eine