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Durch die Außerachtlassung des Unbewußten und die Geringschätzung des Sexuellen stellte sich die Adler sche psychologische Schule außerhalb des Interessenkreises des Psychoanalytikers. Nichtsdestoweniger ist die etwas beschwerliche Lektüre dieses umfangreichen Bandes (400 Seiten) auch für uns lehrreich; wir können darin die Wege verfolgen, auf denen aus einer empirisch-wissenschaftlichen Arbeitsrichtung und -methode ein allzu rasch fertiges dogmatisches System mit stark philosophischem Einschlag werden kann.
Im Geleitwort des Dr. Furtmüller wird der Gegensatz zwischen der „bisherigen Psychologie“ und der Adler schen so charakterisiert, daß sich die erstere „vorzugsweise mit den seelischen Erscheinungen beschäftigt hat, die an der Peripherie der Persönlichkeit liegen“ und „höchstens schüchtern und zögernd den Versuch unternommen, sich von hier aus dem Zentrum zu nähern“, während es bei Adler „zum methodischen Grundsatz wurde, daß man sich erst des Kerns der Persönlichkeit bemächtigt haben müsse, um die peripherischen Äußerungen überhaupt verstehen und richtig einschätzen zu können“. Aus diesem Satze schon ist es ersichtlich, daß die neue Richtung die aus der Erfahrung mühselig abgeleitete topische Gliederung des psychischen Apparates einfach preisgibt und an ihre Stelle die unklaren, sicherlich der Anatomie entlehnten Begriffe von „Zentrum“ und „Peripherie“ setzt. Was man unter „Kern der Persönlichkeit“ verstehen soll, wird hier nicht angegeben, es soll aber etwas bedeuten, was der Pädagoge, der stets „den lebendigen Persönlichkeiten seiner Schüler gegenüberstand“, unabhängig von jeder Psychologie immer verstanden hat. Gibt dieses Geleitwort — wie es nicht anders denkbar — die Grundsätze der „Individualpsychologie“ richtig wieder, so enthält diese ein rein intuitives, der psychologischen Analyse unzugängliches Element; damit stellt sich die neue Richtung außerhalb der rein psychologischen Bestrebungen und stempelt sich zur Philosophie. Philosophische Systeme sind aber