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Diese sehr lesenswerte Sammlung von Aufsätzen ist gleichsam der Nachtrag zu dem vom Verfasser 1914 veröffentlichten Werke: „Grundzüge der Psychoanalyse“, in dem zum erstenmal eine systematische Zusammenfassung der psychoanalytischen Erkenntnisse versucht wurde. Dieses neuere Buch erweist sich bei der Lektüre woniger als das, was sein Titel verspricht (Behandlung psychoanalytischer Probleme), vielmehr als die kritische Darstellung wichtiger Kapitel der allgemeinen Psychologie, allerdings im Lichte der Psychoanalyse betrachtet. Diese Betrachtungsweise erweist sich auch bei Kaplan außerordentlich fruchtbar. Manche der allerschwierigsten psychologischen Probleme, die die Menschheit seit jeher beschäftigen, werden hier ihrer Lösung näher gebracht.
Da es schließlich nur „eine Wahrheit“ gibt, so muß am Ende die psychoanalytische Wahrheit mit allem, was in der allgemeinen Psychologie wahr ist, zusammenfallen. Daß dem wirklich so ist, das zu beweisen gelang dem Verfasser vollkommen.
Das Lesen dieser Aufsätze dürfte also manchem der Psychoanalyse Fernstehenden die Beschäftigung mit der Freudschen Lehre erleichtern, anderseits verschafft er auch dem Analytiker freundliche Ausblicke nach verwandten Wissensgebieten.
Alle zwölf Arbeiten des Buches verdienen genannt zu werden.
„Die Verdrängung und die psychische Polarität“ bringt letzteren zuerst von Pikler benutzten Begriff mit der psychoanalytischen Ambivalenz in Verbindung. Wenn bei einer ambivalenten Triebregung die eine Strebung nur nach Verdrängung des Gegensätzlichen zur Geltung kommt, so geschieht (nach Kaplan) dasselbe, was Pikler von den psychischen Inhalten überhaupt sagt: keine Vorstellung ist nach Pikler ohne das gleichzeitige Dasein einer gegensätzlichen Vorstellung denkbar; eine Einzelvorstellung entsteht immer durch Einschränkung, durch Abstraktion von allem Gegensätzlichen. Diesen Prozeß der „Einschränkung“ identifiziert nun Kaplan mit dem aus der Psychoanalyse bekannten Verdrängungsprozesse. Die Analogie beider Proze